Alle Jahre wieder: zur Hauptversammlung des Chemiekonzerns Bayer AG kommen auch die Folgeschäden zur Sprache, die von diversen Erzeugnissen der Konzernlabore ausgelöst wurden – und sonst gern mit Lobbyarbeit und Verschleppung juristischer Aufarbeitung geleugnet, verharmlost oder unter den Teppich gekehrt werden.
Gern nahm die Bayer AG am 24.04.2026 deshalb wieder von der zu Coronazeiten geschaffenen Möglichkeit Gebrauch, diese lästige Pflichtübung als reine Internetveranstaltung durchzuführen. Erspart man den Aktionären doch so, sich den Weg zur Veranstaltung durch ein Spalier von Protestlern zu bahnen, wie es zuletzt 2019 noch vor dem Bonner WCC der Fall war. Und die Firma spart die Miete für eine große Halle samt Verköstigung der Masse an Kleinanlegern.
Aber auch in diesem Jahr war die dem Konzern seit über 40 Jahren auf den Fersen bleibende Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) zu dieser Gelegenheit wieder vor der Betriebszentrale in Leverkusen aufmarschiert, unterstützt von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), des Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzen-Vielfalt (VEN) und einiger Einzelaktivisti.
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Eine Menge Ärger hatte sich die Bayer AG allein schon mit der Übernahme der US-Tochter Montsanto eingehandelt: denn der dort produzierte Unkrautvernichter Glyphosat brachte wegen der immer deutlicher zutage tretenden Gesundheitsrisiken und massiver Umweltschäden eine gigantische Prozesslawine mit sich, die immer noch nicht ausgestanden ist und den Aktienkurs von 137 auf zeitweise 18 € abstürzen ließ.
Zynischerweise wittern die Konzernoberen mittlerweile wieder Morgenluft: denn das Pflanzengift und vor allem der darin enthaltene Weiße Phosphor lässt sich auch als Chemiewaffe einsetzen – was derzeit gern von brasilianischen Großgrundbesitzern bei der Vertreibung indigener Landbevölkerung und von Israel im Krieg gegen den Libanon genutzt wird. Und zur Freude des Konzerns hat US-Präsident Trump eben drum Bayers Glyphosatfabrik in Soda Springs und die benachbarte Phosphorerzmine am 18.02.2026 per Dekret als national schutzwürdig deklariert.
Brigitte Hincha-Weisel und Lars-Ulla Krajewski von der CBG führten aus: „Mit dem von Flugzeugen und Drohnen versprühten Glyphosat werden in Südamerika die Ackerflächen und Wasserquellen der indigenen Bevölkerung vergiftet, ihr Nutzvieh wird krank und stirbt, und die traditionelle Lebensweise unmöglich gemacht. Umweltaktivisten werden eingeschüchtert, verprügelt und im Extremfall ermordet. Die direkten Folgen dieser Giftattacken: Atembeschwerden, Schwindel, Erbrechen, brennende Augen und Ekzeme. Langfristig ein geschwächtes Immunsystem, Krebs, Leber- und Nierenschäden.“ – Da heißt es guten Appetit bei den so günstigen brasilianischen Mangos.
Und weiter: „Die israelische Armee benutzt derzeit Glyphosat und Phosphor im Südlibanon, um gezielt Ackerböden zu zerstören und das Grenzgebiet zu Israel in eine menschenleere Pufferzone zu verwandeln. Schon 9000 Hektar Land sind in diesem Krieg bereits davon betroffen. 600.000 Menschen wird so die Lebensgrundlage genommen.“ – Und so treibt Israel mit Bayers Hilfe womöglich bald die nächste Flüchtlingswelle nach Europa – und noch mehr Verblendete in die Arme von AfD & Co.
Wie es anders geht, zeigte Bernward Geier von der AbL auf: Frieden schaffen durch biologische Landwirtschaft, am Beispiel der früheren Bürgerkriegsregionen in Kolumbien und der Philippinen. Hier wurden ehemalige Rebellen zu Bauern – und sorgen nun für den Schutz der Natur. Aber dafür, so Geier, brauche es mehr Schulterschluss – von Friedensinitiativen, Tierschützern und Umweltverbänden.
Vor den Folgen der Lobbyarbeit für die Chemieindustrie warnte Anne Mommertz von der VEN: hier drohten derzeit europaweit die gesetzliche Aufweichung von Gesundheits- und Umweltschutzstandards wie z. B. der Kennzeichnungspflichten für Lebensmittel sowie die zunehmende Einschränkung alternativer Anbaumethoden durch Patente auf Saatgut. So wisse man bald nicht mehr, was überhaupt noch ohne teure Lizenz eines Chemiekonzerns angebaut werden darf – und was letztlich auf den Teller kommt.
„Health for all, Hunger for none“ steht in der Bayer-Konzernzentrale über dem Firmenlogo. Klar, die andere große Sparte des Konzerns ist die Arzneimittelproduktion. Aktuell, so schilderte Bernd Schmitz von der AbL, forsche Bayer an einem neuen Medikament gegen Parkinson. Den Markt dafür habe sich Bayer selbst geschaffen: denn viele Bauern seien mittlerweile durch den Umgang mit landwirtschaftlichen Pestiziden an Parkinson erkrankt, was nun auch von den Berufsgenossenschaften als Berufskrankheit anerkannt ist. Statt Verantwortung und Entschädigung zu übernehmen, gedenke Bayer also an den von ihm mitverursachten Gesundheitsschäden ebenfalls zu verdienen.
Etwas mehr Aufmerksamkeit hätte diese Veranstaltung schon verdient gehabt: außer den Werksangehörigen und einigem Sicherheitspersonal war am Ort naturgemäß wenig Volk unterwegs. Aber der CBG ging es um Symbolik – und natürlich nutzt man ebenfalls die neuen Medien und heuerte unseren Kollegen Andree Willige an, um die Reden auch auf Video zu nehmen und ins Netz zu stellen.
Weitere Informationen hier:
https://www.abl-ev.de/themen/gentechnikfrei
https://www.nutzpflanzenvielfalt.de/verein_zur_erhaltung_der_nutzpflanzenvielfalt_ev