KZ-Gedenkstätte Buchenwald.

Als Zeitzeuge dabei

Meine Erinnerungen an die Buchenwald – KZ-Gedenkstätte Buchenwald.

Ich war 19, hatte meine Facharbeiterprüfung als Feinmechaniker im VEB Feinmeß Suhl bestanden und arbeitete dort seit einigen Monaten in einer Abteilung, die Meßautomaten herstellte.

Eine interessante, aber auch anspruchsvolle Tätigkeit.

Am 14. September 1958 wurde die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald eingeweiht. Am frühen Morgen fuhr ich per Betriebsbus gemeinsam mit anderen Kollegen zur Einweihung dieser Gedenkstätte.

Das KZ Buchenwald war in der Zeit von 1937 bis April 1945 eines der größten KZ in Deutschland. Insgesamt waren in diesen Zeitraum etwa 266.000 Menschen aus allen Ländern Europas im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert. Die Zahl der Todesopfer wird auf etwa 56.000 geschätzt, darunter 15.000 Sowjetbürger, 7000 Polen, 6000 Ungarn und 3000 Franzosen. Bei der Annäherung der amerikanischen Truppen  am 11. April 1945 übernahmen die Häftlinge die Leitung des Lagers von der abziehenden SS- Wachmannschaft, nahmen 125 der Bewacher fest, öffneten die Tore und hissten die weiße Fahne.

Eine eindrucksvolle, sehr emotionale Veranstaltung vereinte an diesen Septembertag des Jahres 1958 tausende Teilnehmer, darunter viele Delegationen ehemaliger Häftlinge.

Ich war sehr beeindruckt und auch nachdenklich geworden ob der Details die uns so nicht bekannt waren. Das hat mich als junger Mensch noch lange beschäftigt, übrigens auch heute noch.

Von meinen ersten Löhnen hatte ich mir eine Praktica FX 2 gekauft und knipste natürlich aus diesen Anlass. Meine zweite Begegnung mit der Gedenkstätte hatte ich 1960. Ich war damals Angehöriger der Nationalen Volksarmee beim Artillerie – Regiment in Erfurt.

Eines Tages im Frühsommer 1960 wurden Teile des Regiments nach Buchenwald befohlen, wir bekamen dort Häftlingsklamotten, einige auch SS-Uniformen.

Damals wurde der DEFA-Film „Nackt unter Wölfen“ gedreht und wir wirkten bei den Massenszenen mit, beispielsweise bei der Erstürmung des Lagertors.

Dieser Film gehört aus meiner heutigen Sicht zum wertvollen kulturellen Erbe der DDR – Filmproduktion.

Zeitweilig war ich im Stab der 4. motorisierten Schützendivision als Divisionsfotograf eingesetzt.

Ich erinnere mich an die fotografische Begleitung von ausländischen Militärdelegationen deren Besuchsprogramm meist auch den Besuch der Buchenwaldgedenkstätte vorsah. Das waren oft auch Stunden des Nachdenkens die meine persönlichen Meinungen und Standpunkte prägten, beispielsweise über Faschismus und Geschichte überhaupt.

Ich habe diese Gedenkstätte in den Folgejahren des öfteren besucht.

Nach der sogenannten Wende hat mich das Thema Buchenwald erneut beschäftigt, insbesondere die unübersehbaren Tendenzen der Geschichtsverfälschung.

Gemeinsam mit Heinrich Graf von Einsiedel, ein Bismarck – Urenkel entstand so ein größerer Beitrag für die linke Zeitung Disput.

Diese Erlebnisse haben meinen Blick dafür geschärft, natürlich auch in der gegenwärtigen Situation, was Faschismus wirklich bedeutet und auch wer ein Faschist ist und wer nicht.

Rudi Denner, Mai 2022