In passendem Umfeld versammelten sich um die 40 Aktivisti vom „Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung“, „Recht auf Stadt“ und weiteren Gruppen am 17.04.2026 zu einer Kundgebung über die Wohnungssituation in Köln und der ganzen Republik: denn wohl nirgends sonst in der Stadt haben Immobilienspekulanten ihre Spuren so massiv hinterlassen wie an der Deutz-Mülheimer Straße – und haben mit den dabei hinterlassenen Brachflächen entlang einer Strecke von 1,25 km tausenden die Möglichkeit einer bezahlbaren Wohnung vorenthalten.
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Es ist immer dasselbe Spiel, so Sprecher Boris Sievers: ein Gewerbegrundstück, hier vor allem das ehemalige Werksgelände der untergegangenen Motorenfabrik Klöckner-Humboldt-Deutz, wird zum Wohnungsbauland aufgewertet. Damit erhöht sich der Grundstückswert mit einem Schlag auf bis zu 500 %. Ein vorgeblicher Investor erscheint auf der Bildfläche, gibt vor bauen zu wollen, nimmt dann aber wieder davon Abstand, weil ihm der erwartbare Profit durch diverse Vorgaben (als da sind Sozialwohnungsquote, Ausweisung von Grünflächen und Gemeinschaftsbauten wie Schulen und Kindergärten) zu gering erscheint – und verkauft mit Gewinn an den nächsten. Der versucht mit diverser Klüngelei bei der Politik die Bauvorgaben zu umgehen oder zu reduzieren, kommt immer noch nicht auf seinen gewünschten Gewinn und verkauft wieder mit Aufschlag an den dritten – usw. An der Deutz-Mülheimer Straße geschah dies an manchem Grundstück mittlerweile bis zu fünfmal, so Sievers. Und immer füllen sich schillernde und zweifelhafte Anzugträger ihre Taschen, hinterlassen auch schon mal eine Bauruine – weil Handwerker nicht bezahlt wurden und die Arbeit einstellten – und im Wohnungsbau kommt nichts voran.
Besonders berüchtigt in diesem Spiel, so Sievers, ist die zwielichtige Adler-Gruppe: hier wurden Grundstücke aufgesplittet und sollten dann teilweise vorgeblich ebenfalls weiterverkauft werden. Mit dem Vorvertrag ging man dann zu den Banken, um mit dem darin genannten Kaufpreis einen Spitzenwert für das Restgrundstück vorzutäuschen und dafür Kredite zu erlangen. Der vorgebliche Käufer entpuppte sich dann als Strohmann, der genannte Preis war überzogen, ein Kauf kam nie zustande, gebaut wurde natürlich auch nicht und das Geld aus den Krediten liegt jetzt in irgendeiner Steueroase.
Nach Schilderung der Sachlage durch Sievers zog ein Demonstrationszug an den Brachflächen und leerstehenden Industrieruinen vorbei und inszenierte neben einer Bauruine ein Possenspiel, in dem zwei Interessenten schon einmal einen Mietvertrag unterschreiben konnten – mit dem Zusatzvermerk natürlich: Einzug ungewiss.

„Haus Tatenlos“ – eine Bauruine an der Deutz-Mülheimer Straße (KI-Montage, C. Boris Sievers)