Fotoausstellung im Museum Ludwig: Zweimal Deutschland um 1980

Das Museum Ludwig hat aus seinem Fundus von 70.000 Fotos von den Anfängen des Mediums bis in die Gegenwart eine neue Ausstellung zusammengestellt, die ab 18.04.2026 zu sehen ist: Momentaufnahmen aus Deutschland Ost und West, in SW-Fotos von 7 Fotoschaffenden aus verschiedenen Generationen.

Gezeigt werden keine historischen Ereignisse, sondern Alltagsszenen und Portraits. Die meisten Abzüge haben eine Größe um 20×30 cm.

Der Fokus liegt auf den sozialen Wandel der damaligen Zeit: Arbeitsmigration im Westen, wo sich allmählich abzeichnete, dass die angeworbenen „Gastarbeiter“ sich auf Dauer im Land einrichteten. Daneben Anzeichen für etwas zunehmenden Wohlstand und gewisse ideologische Lockerungen in der DDR nach dem Stabwechsel von Walter Ulbricht an Erich Honecker 1971.

Die West-Fotos stammen alle von 3 ausländischen Fotografen, damit ergibt sich ein Blick „von außen“. Portraits von Deutschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten zeigt eine Auswahl von 15 Portraits aus der 500 Exponate umfassenden Arbeit „Stille Zwiesprache“ des US-Amerikaners Derek Bennett (1944-1990). Kuratorin Barbara Engelbach sieht in diesen Arbeiten einen Querschnitt von Menschen des 20. Jahrhunderts – in Anlehnung an August Sanders Bilderreihe aus dem Vorausgegangenen.

Auf einer „Deutschen Reise“ per Anhalter und Bahn kam der damals 22-jährige französische Fotograf Karl Kugel auch durch Köln – und beschreibt den Stadtteil Chorweiler dabei als „Kölns Banlieue“.

Hervorstechend im Osten: viele arbeitende Frauen, aufgenommen von Evelyn Richter (1930-2021). Kein Wunder: 1980 standen in der DDR 91% der Frauen in Lohn und Brot. Kein Problem, zumal die Kinderbetreuung dort staatlich gesichert war – auch wenn damit auch schon die erste ideologische Einstimmung verbunden war. Aber zum Vergleich: im Westen betrug die Erwerbsquote der Frauen um die 40 %. Und die Zeiten, als die Frau hier nur mit Erlaubnis ihres Gatten einen Job annehmen durfte, waren damals erst 3 Jahre (!) vorbei. Von gesetzlichem Anspruch auf einen Kitaplatz gar nicht erst zu reden.

Christiane Eisler (*1958) zeigt einen Einblick in die DDR-Subkultur: ihr Bild von einer sich selbstbewusst vor der Kamera zeigenden Punkerin wird der Aufnahme von einer dem damaligen Idealbild entsprechenden Mutter mit Kind beigestellt.

Wie sich das Rechtsverständnis zur Fotografie in der Öffentlichkeit gewandelt hat, zeigen die nächtlichen Infrarotaufnahmen von Erasmus Schröter (1956-2021), die ohne Kenntnis der abgebildeten Personen entstanden waren.

Gezeigt wird die Ausstellung bis zum 11.10.2026 in den Fotoräumen des Museums auf der 1. Etage.

Öffnungszeiten: Dienstag – Donnerstag incl. Feiertage 10.00 – 18.00 Uhr

                           Freitag – Sonntag incl. Feiertage 10.00 – 20.00 Uhr

  1. Donnerstag im Monat 10.00 – 22.00 Uhr

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