Die Kölner Ortsgruppe von Greenpeace e. V. hat sich auf den zweiten Teil ihres Vereinsnamens besonnen und am Dienstag, 24.03.2026, zu einem Friedensweg durch den Stadtteil Ehrenfeld eingeladen. Hierbei wurden vier Stationen angesteuert, die als Mahnmal an kriegerische Zeiten erinnern oder als Beispiel für Frieden und Verständigung in der Gegenwart dienen.
Eigentlich wollte man die Teilnehmerzahl für den Spaziergang auf 20 begrenzen. Erschienen waren dann aber 35 Interessierte – und die wurden auch alle mitgenommen.
Los ging es am DB-Bahnhof Ehrenfeld, und schon nach dem ersten Schwenk nach links war man am ersten Stopp: dem Mahnmal für die am 10.11.1944 an dieser Stelle von der Gestapo hingerichteten Zwangsarbeiter und Widerständler gegen das Naziregime. Darunter waren 6 Edelweißpiraten, einer jugendlichen Protestbewegung, die unter anderem in Köln gegen die Nationalsozialisten Widerstand leistete. Im Wesentlichen handelte es sich um Jungen und Mädchen zwischen 13 und 17 Jahren, die sich dem militaristischen und rassistischen Drill der Hitlerjugend widersetzten und zunehmend von dieser Seite drangsaliert, denunziert und verfolgt wurden. Aktiven Widerstand leisteten die Edelweißpiraten dann vor allem durch Hilfeleistungen für verfolgte Juden, Deserteure und entflohene Kriegsgefangene, aber auch durch Flugblattaktionen und Sabotageakte.
Auch nach dem Krieg wurden die Überlebenden von den Behörden, die lange noch von vormaligen NS-Parteigängern durchsetzt waren, als Kriminelle verfemt. Erst ab den 1990er Jahren kam es schrittweise zur Rehabilitierung. 2004 brachte der Film „Edelweißpiraten“ die Geschichte in ein breiteres Bewusstsein. *
Nächste Station war die Keplerstr. 33: das frühere Wohnhaus von Bartholomäus Schink, einem der hingerichteten Mitglieder der Edelweißpiraten. Er war Anfang 1944 vom Einsatz am Westwall desertiert (einer Grenzbefestigung, mit der die deutsche Wehrmacht die alliierten Panzer aufhalten wollte), und hatte sich mit einem Kameraden der Ehrenfelder Gruppe angeschlossen. Unter anderem gelang es ihm, am 20.04.1944 (an „Führers Geburtstag“) einen Munitionszug zum Entgleisen zu bringen. Trotz seiner Fahnenflucht und der Aktivität im Untergrund ging Schink zeitgleich auch seiner Arbeit als Dachdeckerlehrling nach – was durch die Kriegswirren offenbar nicht weiter auffiel.
Weiter ging es zu einem Friedensprojekt der Gegenwart: dem Allerweltshaus in der Geisselstr. 3.
Das Allerweltshaus Köln e.V. ist ein interkulturelles Begegnungszentrum und macht entwicklungspolitische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, es existiert seit 1987. Schwerpunkte der Arbeit sind die Bekämpfung von Rassismus und sozialer Ausgrenzung.
Ein Mitglied des Vereins, Ulla Goebel, gab den Besuchern einen Überblick zu Historie und Arbeit. Seit 2021 residiert der Verein an der jetzigen Adresse, einer ehemaligen Grundschule und zeitweiligen Flüchtlingsunterkunft. Zum Programm gehören z. B. Diskussionsveranstaltungen, Theater, Radiobeiträge, Ausstellungen, Lesungen, regelmäßige Filmvorführungen, Kulturfeste, Informationsabende sowie förderfähige Bildungsprojekte auch in anderen Sprachen. Außerdem wird Unterstützung beim Umgang mit Behörden angeboten. Damit und durch Spenden sowie Vermietung einzelner Räumlichkeiten finanziert sich der Verein, der per Vertrag mit der Stadt Köln nach Erbbaurecht für den Erhalt des Gebäudes zu sorgen hat und eine Pacht für das dazugehörige Grundstück entrichten muss. „Das Geld ist immer knapp und vor allem an der Heizung müssen wir sparen, wenn keine Veranstaltungen stattfinden“, sagte Ulla dazu. „Ich ziehe die Jacke im Winter hier nicht aus.“
Im Sommer finden hier viele Veranstaltungen auf dem ehemaligen Schulhof statt, so auch das nächste Hoffest am 30.05.2026.

Den Schlusspunkt bildete in der Körnerstr. 91-113 ein ehemaliger Hochbunker aus dem 2. Weltkrieg.
Mitten im Wohngebiet steht dieser 50 Meter breite und 15 Meter tiefe Betonklotz, mit der langen Seite parallel zur Straße. Er besteht aus unverkleidetem Stahlbeton und hat ein pfannengedecktes Walmdach, wie die benachbarten Wohnhäuser. Das hatte Sinn: so sollte der Bunker für die alliierten Bomberpiloten von oben nicht erkennbar sein. Die Stahlbetondecke unter dem Dach ist 1,4 Meter dick, ebenso die Bunkersohle; im Kellergeschoss sind die Wände 1,8 Meter, in den Obergeschossen 1,1 Meter dick. Die Nutzfläche des Hochbunkers beträgt 1700 Quadratmeter. Damit konnte er bis zu 5000 Einwohnern kurzfristigen Schutz vor den Fliegerbomben leisten.
Heute wird auch dieser Bau von Ehrenamtlern in Schuss gehalten: Karin Korn vom Förderkreis Hochbunker Körnerstraße 101 e. V. empfing die Gruppe für eine kleine Führung durch das Gebäude.
„Ursprünglich befand sich hier der Garten zur benachbarten Synagoge,“ so Karin. „Mit der Pogromnacht vom 9.11.1938 war es damit vorbei. Der Bunker wurde dann 1942-1943 relativ schnell hochgezogen. Die Anwohner bekamen einen Bunkerausweis, auf dem ihnen ein Platz zugewiesen wurde. Juden, Sinti und Roma sowie Zwangsarbeiter durften aber keinen Schutz im Bunker suchen. Auch uniformierte Soldaten ließ man nicht herein – die sollten den Feind bekämpfen.“ 55-mal war Ehrenfeld damals Ziel alliierter Luftangriffe. Der Bunker wurde nicht beschädigt. Zwei Mitglieder der Kölner Edelweißpiraten, Franz Rheinberger und Bartholomäus Schink, lernten sich 1944 in diesem Bunker kennen.
„1948 sollte er eigentlich abgerissen werden“, erzählte Karin weiter. „Aber er war zu solide gebaut und so ließ man ihn stehen. Man nutzte ihn als Übergangsquartier für ausgebombte Anwohner und Kriegsheimkehrer, danach mal als Lager für gebrauchte Möbel. 1962 wurde er dann sogar zum Atombunker aufgerüstet und von 1983-1984 noch einmal ertüchtigt, unter anderem mit einer neuen Belüftungsanlage.“ 2007 erfolgte dann die militärische Entwidmung. Schon ab 1981 begann auch eine zivile Nutzung als Ausstellungsfläche. „Aber lange kann man hier nichts hängen lassen“, so Karin. „Die Luft ist zu feucht, und nach spätestens 4 Wochen werden Bilder wellig und fangen an zu schimmeln.“
Auch als Filmkulisse, unter anderem für den ARD-Tatort, und für Musikaufnahmen wird der Bunker gelegentlich genutzt. Die Kölner Rockgruppe um Jürgen Zeltinger nahm hier einen Teil ihres legendären Albums mit dem Hit „Müngersdorfer Stadion“ auf.
Für solcherlei Veranstaltungen ist im Erdgeschoss auch eine kleine Bar eingerichtet. Passenderweise wird hier unter anderem „Schreckenskammer-Kölsch“ kredenzt.
Wegen des großen Interesses an dieser Ortsbegehung denken die Aktivisti von Greenpeace über eine baldige Wiederholung nach. Ein fester Termin steht aber noch nicht fest. Man empfiehlt, immer mal wieder auf der Webseite des Vereins nachzuschauen.
Als Anregung für einen erneuten Durchgang dürfte aber auch gern die Empfehlung enthalten sein, eine zusätzliche Jacke mitzunehmen – denn im Bunker war es ziemlich kalt und feucht.
Weitere Infos hier:
https://greenwire.greenpeace.de/greenpeace-koeln/about
https://de.wikipedia.org/wiki/Edelweißpiraten
*https://de.wikipedia.org/wiki/Edelweißpiraten_(Film)
https://de.wikipedia.org/wiki/Barthel_Schink
https://www.allerweltshaus.de/veranstaltungen
