Ausstellung zum 50. Jahrestag der Palasteröffnung „Palast der Republik“

Text kopiert von Rudi Denner

Freundeskreis Palast der Republik

Mitglied im Ostdeutschen Kuratorium von Verbänden e.V.1976 – 2026 

Erklärung des Freundeskreises zum 50. Jahrestag der Palasteröffnung

Vor 50 Jahren, am 23. April 1976, wurde im Zentrum Berlins nach einer Bauzeit von 1000 Tagen der Palast der Republik eröffnet.Aus diesem Anlass gestaltet und organisiert der Freundeskreis Palast der Republik seine 37. Wanderausstellung. 

Sie wird am 30. April 2026 in der Maigalerie der Tageszeitung „Junge Welt“ als Gemeinschaftsprojekt des Ostdeutschen Kuratoriums von Verbänden e.V. um 18.30 Uhr eröffnet (Einlass ab 18.00 Uhr) und kann dort bis Mitte Juni besucht werden. 

Mit dabei ist die Bürgerinitiative des SEZ und weitere Institutionen.  

Erinnern wir uns!

Unmittelbar nach den X. Weltfestspielen im August 1973 wurde mit dem Bau des Palastes der Republik begonnen. Mehr als 600 Tiefbauarbeiter und 200 NVA-Soldaten hoben die 180 m lange, 100 m breite und 12 m tiefe Baugrube aus. 500 m Spundwände wurden Spree seitig tief in den Boden eingerammt um den Bauplatz trocken zu halten und 54 Tiefbrunnen gebohrt um den Grundwasserspiegel 7 m abzusenken. Ab 5. Oktober wurde der erste Beton geschüttet. 

Bereits am 2. November 1973 erfolgte die Grundsteinlegung und am 18. November 1974 wurde Richtfest in der Großgaststätte „Ahornblatt“  auf der Fischerinsel sowie weiteren 7 Gaststätten im Zentrum Berlins gefeiert. Nach insgesamt 1000 Tagen Bauzeit wurde am 23. April. 1976 der Palast der Republik offiziell eröffnet. Die ersten Gäste waren seine Erbauer und deren Angehörige. Zur Eröffnung sprach im Rahmen einer Festveranstaltung Wolfgang Juncker, Bauminister der DDR, im Namen der Regierung der DDR.Dem schloss sich ein vielfältiges Festprogramm an.

Mit der Nationalhymne der DDR und Ludwigs van Beethovens „Fidelio“ Overtüre sowie einem Prolog, vorgetragen von Hans-Peter Minetti, wurde ein vielfarbiges Festprogramm eingeleitet. Mit dabei waren führende Orchester und Ensembles der DDR und des Auslandes, bekannte Solisten wie Peter Schreier und weitere international bekannte Künstler. Sie gestalteten ein mitreißendes, begeistert aufgenommenes Programm. Mit einem Ball der Bauleute in allen Räumen des Palastes und einem Bankett klang dieser Tag aus.

Am Sonntag, den 25. April, um 10 Uhr,  öffnete der Palast der Republik erstmals für die Berliner und ihre Gäste seine Pforten. An diesem Sonntag besuchten ihn 105.000 Bürger – und waren beeindruckt.

In der Ausgabe des „Neuen Deutschland“ vom 24./25. April 1976 war zu lesen:

….„Rund 10.000 moderne Kugelleuchten lassen den Palast in festlichem Glanz erstrahlen. Besonders das Hauptfoyer wird zum Treffpunkt….86 m lang, 42 m breit und 8 m hoch, die Wände ganz in weißem Marmor der Fußboden kunstvoll mit farbigen Natursteinen belegt beherbergt auch die „Galerie im Palast.“ Viele Besucher betrachten hier Wandbilder bedeutender Maler unserer Republik sowie die fünf Meter hohe gläserne Blume von Reginald Richter und Richard Wilhelm, Glasgestaltung Magdeburg, die asymetrisch in den Riesenraum gestellt ist.“

Die Gastronomie war mit 1.500 Plätzen beeindruckend niveauvoll und vielfältig. Dazu gehörten:

Das Lindenrestaurant, Spreerrestaurant, Palastrestaurant, Bierstube, Weinstube, Bowlingrestaurant, Mokkabar, Foyerbar, Espresso, Milchbar. Ein Jugendtreff und das Theater im Palast luden zu Tanz und kulturellen Erlebnissen ein. Die damaligen Tages und Wochenzeitungen und das Fernsehen der DDR berichteten dazu ausführlich. Die internationalen Medien, auch das bundesrepublikanische Fernsehen äußerten sich in vielfältiger und anerkennender Form.

Bereits in der Berliner Zeitung vom 16. Juni 1976 war zu lesen:

„Als einmillionster Besucher des Palastes der Republik in Berlin wurde am Dienstagnachmittag Ingrid Dannenberg aus Grünau vom Direktor des Hauses, Günter Bischof, mit Nelken und einem Porzellanwandteller mit einem Palast-Motiv begrüßt…Ihre Familie erhielt eine Einladung zu einem Essen im Palast sowie zu einem Gastspiel des Großen Balletts von Tahiti“In den Folgejahren nahmen die Bürger der DDR und ihre Gäste Besitz von ihrem Volkshaus, fanden hier Erholung, Entspannung und nachhaltig wirkende Erlebnisse. Hier fanden klassische Konzerte, Revuen, Tage der Volkskunst, Veranstaltungsreihen, wie z.B „Rock für den Frieden“ , Solidaritätsveranstaltungen wie z.B. „Dem Frieden die Freiheit“ oder die „Kessel Buntes“, statt. Hier wirkte das Theater im Palast.

Auftritte von Folkloreensembles aus vielen Ländern und zahlreiche nationale und internationale Stars der Unterhaltungskunst fanden viel Beifall. Die monatlich herausgegebenen Programmhefte dokumentieren eine bemerkenswerte Vielfalt und Ideenreichtum der 1.800 Mitarbeiter dieses Kulturhauses mit seinen in Europa einmaligen Möglichkeiten.

In größeren Zeitabständen fanden hier auch Veranstaltungen der gesellschaftlichen Organisationen der DDR und internationale Kongresse statt. Bis in die Gegenwart wirkt eine entsprechende Erinnerungskultur an den Palast der der Republik. In einem Seitenflügel des Palastes waren die Räumlichkeiten der Volkskammer, die hier ihren Sitz hatte und 3 bis 4 mal jährlich tagte.

Hier wurde am 23. August 1990 von den damaligen Volkskammerabgeordneten der Beitritt zur Bundesrepublik beschlossen. Die Bürger der DDR wurden dazu nicht befragt.

Der Palast wurde am 19. September 1990 unter fragwürdigen, bis heute nicht vollständig geklärten Umständen geschlossen.  Bis zu diesen Zeitpunkt wurde er von ca. 70 Millionen Bürgern besucht. Der mehrheitliche Wille zum Palasterhalt und weiteren Nutzung, besonders der ostdeutschen Bevölkerung, wurde gröblichst mißachtet. 

Wir laden ein zum Besuch, zum Gespräch und zum konstruktiv-sachlichen Meinungsaustausch. Dem dienen die Tage der Begegnungen über deren Termine wir anlässlich der Vernissage informieren. Wir stellen neue Dokumente vor, zeigen ein umfangreiches Digitalprogramm sowie Konvolute aus dem Bestand des Freundeskreises, des SEZ und weiterer Institutionen.

Rudi Denner, Sprecher Freundeskreis Palast der Republik – Maigalerie „Junge Welt“ – 7. April 2026

Zusätzlich auf Wunsch von Rudi Denner seiner Rede zur Eröffnung der Ausstellung.

Eröffnungsrede zur 37. Wanderausstellung des Freundeskreises Palast der Republik am 30. April 2026 in der Maigalerie der Jungen Welt

Es gilt das gesprochene Wort – Hallo Freunde des Palastes der Republik, ehemalige Palastmitarbeiter, Mitstreiter, Zeitzeugen, Palastbesucher, Interessierte, Schön dass Ihr zur Eröffnung dieser 37. Wanderausstellung des Freundeskreises Palast der Republik  gekommen seid. Danke

Sie ist dem 50. Jahrestag der Palasteröffnung gewidmet. Das war der  23. April 1976. Wir begrüssen sehr herzlich

den Päsidenten des Ostdeutschen Kuratoriums von Verbänden e.v Dr. Matthias Werner  die Vicepräsidenten Achim Bonatz…..und  Vereine des Ostdeutschen Kuratoriums. Wir begrüssen Mitglieder der Deutschen Kommunistischen Partei Berlins der kommunistischen Plattform der Partei der LINKEN

Ich freue mich ganz besonders, Vertreter der Initiative zu begrüssen, die den Kampf um die Rettung bzw. Wiedereröffnung des Sport und Erholungszentrums im Friedrichshain aufgenommen haben.

Das SEZ wird ja auch als der kleinere und jüngere Bruder des Palastes bezeichnet

Er beging kürzlich den 45. Jahrestag der Eröffnung. Wir kämpfen künftig gemeinsam, jeder an seinem Abschnitt. Wer sind wir die diese 37. Wanderausstellung gestalten bzw. unterstützen?

  • Der Freundeskreis Palast der Republik, eine Bürgerinitiative
  • Das Ostdeutsche Kuratorium von Verbänden e.V.
  • Die Bürgerinitiative des Sport und Erholungszentrums im Friedrichshein
  • Den Förderverein Palast der Republik e.V.
  • Die Thälmanngedenkstätte Ziegenhals
  • und natürlich der Hausherr der Ausstellung Die Junge Welt und  die Maigalerie die uns in Vorbereitung dieser Ausstellung  großartig unterstützt hat – und natürlich gilt ebenso unser Dank auch allen die bei den vielen vorbereitenden Aufgaben mitgewirkt haben.
  • Wir bedanken uns  für die finanzielle Unterstützung durch den Verein der Bundestagsfraktion DIE LINKE.

Also, am 23. April 1976 wurde der Palast der Republik eröffnet. Was geschah an diesen und den folgenden Tagen auf dem Marx-Engels-Platz in Berlin?

Das könnt Ihr in dieser Ausstellung nachlesen.

  • Hier befinden sich Kopien der Jungen Welt vom 24./25.April 1976 mit ausführlichen Berichten zur Palasteröffnung

Diese Ausstellung stellt den Palast vor mit knapp 70 Ausstellungstafeln. Ein umfangreiches Digitalprogramm bedient darüber hinaus auch die Themen Palastzwischennutzung und Palastvernichtung.

Alles ist eine bescheidene Auswahl des Bestandes  des Freundeskreises. Das gesamte Ausstellungsprojekt können wir jeden Interessierten mitgeben per eigenen Stick. So wollen wir für etwas Nachhaltigkeit bzw. ein Angebot an die jüngeren Generationen die den Palast der Republik mit seinen in Europa einzigartigen Möglichkeiten nicht erleben konnten, sorgen.

Natürlich ist auch diese Wanderausstellung eintrittsfrei, einer Tradition des Palastes folgend, wo viele Veranstaltungen besonders im Hauptfoyer ohne Eintritt besucht werden konnten. Als Freundeskreis sind wir Realisten – der Palast wurde vernichtet – Betroffenheitslyrik ist jedoch nicht unser Ding, wir sind deshalb auch keine Trauergemeinde – im Gegenteil.

Im Namen einer eindeutigen Mehrheit der ca. 70 Mio. Palastbesucher wehren wir uns gegen den Angriff auf unsere Erinnerungen an den PdR und logischerweise auch an die Deutsche Demokratische Republik, meine/unsere Heimat. Das gilt genauso  für das SEZ.

 Es ist ein Angriff auf unsere Würde als Palastbesucher bzw. des SEZ.

Wir stellen fest:

Wer unsere Würde als DDR Bürger angreift verletzt das Grundgesetz der Bundesrepublik – dort heißt es im Artikel 1 GG: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlicher Gewalt. 

Diese Verpflichtung wird ständig und dauernd von der staatlichen Gewalt mißachtet bzw. verletzt.

Wir haben das Recht und die Pflicht uns dagegen zu wehren! Tun wir es!

Wir verweisen auch auf Artikel 35 eines Vertrages der den Titel „Einigungsvertrag“ trägt. 

Dort heißt es u.a.„…die kulturelle Substanz in dem in Artikel 3 genannten Gebiet darf keinen Schaden nehmen“.

Natürlich ist viel Schaden angerichtet worden und dieser Prozess geht weiter

Deshalb haben wir in unserem Grundsatzdokument, den  20 Thesen als Hauptziel des Freundeskreises formuliert….

Hauptziel ist eine dem Palast der Republik entsprechende Erinnerungskultur im Humboldt Forum auf dem Berliner Schlossplatz darzustellen, zu begründen und mit der Stiftung  Humboldt Forum im Berliner Schloss u.a. Partner im Rahmen seiner Möglichkeiten zu organisieren.

Der Freundeskreis ist seit 2007 aktiv, er ruft auf mitzumachen. Grundlagen dafür sind unsere aktualisierten Arbeitsdokumente:

  • Unsere bisherigen Thesen zum Palast der Republik und Schlossplatz Berlin
  • Die Daten und Fakten zum Freundeskreis Palast der Republik
  • Die Erklärung zum 50. Jahrestag der Palasteröffnung
  • Wir danken allen die dabei geholfen haben

Sie liegen hier aus.

Desweiteren:

  • Ein von uns erarbeitetes Rechercheprogramm soll zu weiteren Erkenntnissen führen. Dazu suchen wir Helfer und Unterstützer!
  • Wir kündigen ein weiteres Interview mit der Jungen Welt an

Jeden Donnerstag finden in dieser Zeit von 14.00  bis 19.00 Uhr die Tage der Begegnungen statt.

Natürlich wird die Erinnerungspflege an beide Einrichtungen ein Schwerpunkt sein so wie  bei den  bisherigen 36 Wanderausstellungen auch.

Dabei bleibt es aber nicht! Beide Einrichtungen sind ja auch prominente Beispiele der Gestaltung der  sogenannten Wiedervereinigung durch verantwortliche Politiker der Bundesrepublik Deutschland, verweisen also auf eine übergeordnete Dimension.

Als Sprecher des Freundeskreises PdR und als Pressesprecher des Ostdeutschen Kuratoriums von Verbänden e.V. gehöre ich zu den zahlreichen Bürgern, die dies nicht als Wiedervereinigung betrachten sondern als  Annexion der DDR bzw. als feindliche Übernahme bezeichnen.

Deshalb möchte ich abschließend Bertolt Brecht zitieren:

  • Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht und
  • Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren 
  • Handeln wir also in diesem Sinne! 
  • Einen kleinen Beitrag in diesem Sinne wird der Freundeskreis leisten indem die Spenden dieser Ausstellung in Abstimmung mit der JW ausnahmslos an Cuba Si gehen.

Die 37. Wanderausstellung des Freundeskreises Palast der Republik aus Anlass des 50-. Jahrestages der Palasteröffnung ist eröffnet. 

Ich danke für die Aufmerksamkeit, R. Denner, 30. April 2026

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