90 Jahre Wuppertal-Komitee in Amsterdam

90 Jahre Wuppertal-Komitee in Amsterdam 

Auf Initiative des „Vereins zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal“ und der Berliner „Rosa-Luxemburg- Stifung“ kamen im Widerstandsmuseum in Amsterdam 90 Personen zusammen.  Neben der 48 köpfigen Delegation aus Wuppertal, die mit einem Reisebus nach Amsterdam kamen, bestand das Publikum vor allem aus Angehörigen des niederländischen Wuppertal-Komitees, die aus den Niederlanden, aber auch wie Prof. Robert F. Teitel und Prof. Dr. A Min Tjoa aus den USA bzw. aus Österreich mit ihren Familien angereist waren. 
Die Delegation aus Wuppertal wurde angeführt von dem Wuppertaler Bundestagsabgeordneten Helge Lindh, dem NRW-Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler und Prof. Heinz Sünker. Im Bus saß auch die US-Amerikanerin Lisa Cole, Angehörige der Wuppertaler Gewerkschafter August und Hermann Gehlen, die extra aus den USA für die Solidaritätsveranstaltung nach  Amsterdam gekommen war.

Der Bundestagsabgeordnete Helge Lindh würdigte in seinem Grußwort die Arbeit des Amsterdamer Wuppertal-Komitees: „Wir verneigen  uns vor den Mitgliedern des Wuppertal-Komitees.“ Helge Lindh betonte die Aktualität dieser Menschenrechtsarbeit:  In Zeiten wie diesen braucht es  „solidarische Hilfe“ wie vor 90 Jahren. Für die von Hinrichtung bedrohten Menschen im Iran, genauso wir für die Aktivisten von Memorial in Russland und für die eingesperrten Politiker in der Türkei wie den abgesetzten Oberbürgermeister von Istanbul Ekrem İmamoğlu.

Gefeiert wurde das Wuppertal-Komitee, das vor 90 Jahren in Amsterdam für den Schutz der Wupppertaler Gewerkschafter und Widerstandskämpfer gegründet wurde, die 1935/1936 in den sog. Wuppertaler Gewerkschaftsprozessen abgeurteilt wurden. Die Unterstützung der Widerstandskämpfer:innen war herausragend: Das von niederländischen Intellektuellen in Amsterdam gegründete „Centraal Wuppertal Comité“ (Wuppertal-Komitee) begann Weihnachten 1935 Geld für die Familien der Verhafteten zu sammeln. Die Liste der 123 namentlich bekannten Unterstützer:innen und Aktivist:innen liest sich wie ein „Who is Who“ der niederländischen Intellektuellen, der Arbeiter-, Frauen- und Friedensbewegung. Unter den Aktivist:innen waren viele jüdische Menschen, aber auch Prediger und Aktivisten der christlichen Kirchen, Theosoph:innen und religiöse Sozialist:innen.

Die Hauptaufgabe des „Wuppertal-Komitees“ bestand darin, die internationale Öffentlichkeit über die Massenverhaftungen, die Massenprozesse und den Repressionsapparat des NS-Regimes zu
informieren. Auf dem Höhepunkt der Kampagne entsandten französische Gewerkschaften und niederländische Organisationen Delegationen zu den Prozessen nach Wuppertal.
Die Nachricht von der Ankunft der niederländischen und französischen Delegation vor dem Landgericht in Wuppertal verbreitete sich wie ein Lauffeuer.  Die Anwesenheit der „Ausländer“ ermutigte die Angeklagten und ihre Angehörigen enorm. Sie waren nicht allein, zudem in den Folgemonaten Kurier:innen Unterstützungsgelder illegal aus den Niederlanden nach Wuppertal brachten und über die Rote Hilfe an die Familien der politischen Gefangenen verteilten. Die Gestapo in Wuppertal war hingegen fassungslos, sie musste sich aber im Jahr der Olympiade 1936 in Berlin gegenüber den ausländischen Beobachtern zurückhalten.

Die Gestapo resümierte 1941: „Das Wuppertal-Komitee war die übelste Hetzzentrale gegen Deutschland und hätte entscheidend dazu beigetragen, die breite Öffentlichkeit des Auslandes gegen das Dritte Reich aufzuputschen.“ Text: Stephan Stracke

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