10 Jahre Widerstand im Rheinischen Braunkohlerevier

Vor 10 Jahren, am 14.04.2012, wurde der Hambacher Forst (HF) besetzt. Dies geschah im Rahmen des „Wald statt Kohle“ Festes. Im Laufe der Zeit entstand eine Siedlung im Wald, in der permanent Aktivisten lebten, die gegen den Braunkohle-Abbau im nahegelegenen Tagebau Hambach protestierten. Es gab ein zentrales, aus Holz und Lehm gebautes, großes Haupthaus mit Küche, mehrere Baumhäuser und weitere Infrastruktur wie den U-Laden (Umsonst-Laden), in dem Kleidung und andere Sachen gespendet und zur Verfügung gestellt wurden. Am 13.11.2012 wurde die erste Waldbesetzung mit massivem Polizeieinsatz geräumt. Die Räumung dauerte bis in die Nacht hinein, da sich Aktivisten in mehreren Baumhäusern in Haltevorrichtungen angekettet hatten.

Durch diese und die folgenden Besetzungen am und im HF, gewannen die Klimaproteste und die Forderung nach einem Ausstieg aus der Braunkohle erheblich an öffentlicher Wahrnehmung. Die Waldführungen, die Michael Zobel regelmäßig anzubieten begann, führten immer mehr Menschen eindrucksvoll vor Augen, mit welcher brachialen Umweltzerstörung die Förderung der Braunkohle im Rheinland verbunden ist. Die Anti-Kohle Demonstrationen wuchsen stetig und waren spätestens 2018 in der bürgerlichen Mitte angekommen, als unter Armin Laschet, mit dem Vorwand des unzureichenden Brandschutzes, wochenlang unter immensem Polizeieinsatz die Baumhäuser im HF entfernt wurden. Fast täglich wurde in der Tagesschau berichtet. Auf der Massenkundgebung im September bei Morschenich, einen Tag nach dem gerichtlich verfügten vorläufigen Rodungsstopp, zählten die Veranstalter 50 000 Teilnehmer.

Mit dem Beschluss zum Kohleausstieg wurde auch festgeschrieben, den verbliebenen Rest vom HF, zu erhalten. Die Anti-Braunkohle- und Klima-Proteste verlagerten sich nun zunehmend in das Gebiet des Tagebaus Garzweiler, in dem noch mehrere Dörfer dem Tagebau weichen sollen. „Alle Dörfer bleiben“ ist das Schlagwort, unter dem diese Proteste gebündelt werden. Zuletzt stand die weitgehend verlassene Ortschaft Lützerath im Fokus. Der Landwirt Eckardt Heukamp hatte sich hier symbolträchtig bis zuletzt geweigert, seinen Hof aufzugeben. (MR)