TunnelrÀumung im Hambacher Wald

Morgens am 15.09.2018 wurde ich von der Polizei in Sorge um den oder die Tunnelbesetzer im Hambacher Wald gebeten, den Kontakt zwischen den Tunnelbesetzern und den RettungskrĂ€ften herzustellen und wurde nach meiner Zustimmung mit einer weiteren Person in den inneren Bereich geleitet. Hier bestand absolutes Verbot Informationen nach außen zu geben.

Der Tunnel befand sich in einer Baumhaussiedlung, die von den Besetzern Oaktown genannt wird.  Als ich gegen 11.00 Uhr in Oaktown eintraf, fand ich die Feuerwehr aus Köln, dem Rhein-Erft-Keis und Kerpen vor, sowie zwei von außen hinzugezogene Ingenieure, die erst kurze Zeit vor mir eintrafen. Mir wurde eindringlichst deutlich gemacht, wenn ich mit den Tunnelbesetzern keinen Kontakt aufbauen kann, unkontrollierbare Notmaßnahmen eingeleitet werden mĂŒssen. Beide waren mehr als besorgt, da sich der CO2-Gehalt im Tunnel in Richtung Lebensbedrohung bewegte. Über Schreien, Mikrofon und Kopfhörer versuchte ich Kontakt mit den Tunnelbewohnern Kontakt aufzunehmen und stellte dabei fest, dass sich zwei Aktivisten im Tunnel befanden. Neben Tim befand sich auch Elmo in der Erde. Elmo sprach mit mir und Tim schlief. Die Frage war sofort, ob das die Auswirkungen des hohen CO2 Gehaltes waren. Ich teilte beiden die Sorgen mit, die wir uns um sie machten. Die Feuerwehr hatte die BefĂŒrchtung schnell und unbedacht handeln zu mĂŒssen, d.h. ohne zu wissen wo sich der Hohlraum befindet, graben zu mĂŒssen. Die Lage ihres Hohlraums wollten sie aber nicht beschreiben. Wir klĂ€rten aber wie die Frischluftzufuhr geregelt wurde. Dabei wurde mir gesagt, dass ein Kabel, dass sie mit 12V versorgt hatte, zerrissen war. Ich nehme an, dass die Solarpaneele, die bereits ein Tag vorher vom Dach des darĂŒber stehenden GebĂ€ude entfernt wurde und kein Strom mehr fĂŒr die Frischluftpumpe geliefert wurder. 

Die Feuerwehr besorgte ĂŒber RWE einen Kompressor, wie er im Straßenbau verwendet wird. Meine Aufgabe war es wieder mit beiden zu reden und den richtengen Zugangsschlauch zu finden. Aber die Zylinder dieses Kompressors waren ölgeschmiert und somit war die Luft, die in den Tunnel gepumpt wurde, nicht atemtauglich. Die Feuerwehr des Rhein-Erft-Kreises schaffte ihr GerĂ€t herbei und brachte es mit einigen MĂŒhen zum Laufen. Die Atemluft im Tunnel war inzwischen so schlecht, dass die Messung die 1. Alarmstufe anzeigte. Mit dem neuen GerĂ€t verbesserte sich die Atemluft relativ schnell, so dass angenommen wird, der Hohlraum sei nicht sehr groß. Nach Aussagen des Ingenieurs hĂ€tte bereits gestern Nachmittag, als klar war, es befindet sich eine Person im Tunnel, mit der Zufuhr von Frischluft begonnen werden mĂŒssen. Gegen 20.00 Uhr habe ich Oaktown verlassen. Zum Einsatz kam die Grubenwehr, die die Lage klĂ€rt.

Mitgenommen habe ich eine Abmachung, die ich mit Elmo getroffen habe. Elmo hat, wie die Feuerwehr auch, unsere GesprĂ€che aufgezeichnet und fĂŒhrt bereits sehr lange ein Audiotagebuch. Er geht davon aus, dass ihm dieses Material bei einer Festnahme abgenommen wird. Er möchte es wieder haben, um es bei einem Gerichtsprozess verwerten zu können. Deshalb fordert er von mir, die Presse darĂŒber zu informieren.

FĂŒr mich war die Situation sehr belastend. Von den Fachleuten wurde mir die lebenserhaltende Dinglichkeit meiner Aufgabe vermittelt und auf der anderen Seite die Tunnelbesetzer, die ihre Lage nicht in der Bedrohungsform einschĂ€tzten. Aber allein wie sich die GesprĂ€chsform mit der Sauerstoffzufuhr zum Aktiven und Agilen verĂ€nderte, ließ mich ahnen, wie Recht die Fachleute hatten.

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