„Wir sind längst nicht mehr traurig, wir sind wütend!“

Münster. Am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen*, fand eine Kundgebung unter dem Motto „Verwandeln wir unsere Angst, Trauer und Wut in Widerstand!“ statt. Über 100 Menschen waren gekommen, um gegen Gewalt an Frauen* zu demonstrieren.

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"Verwandeln wir unsere Wut in Widerstand!"
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Bildinformationen: "Verwandeln wir unsere Wut in Widerstand!"|Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen*
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Im Aufruf der Gruppen Frauen*streik-Bündnis Münster, ODAK e.V., No Limit – Offener antifaschistischer Treff, Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung und Livas e.V. hieß es:

Wir werden belächelt, abgewertet, gedemütigt.
Wir werden angefasst, gestalkt, sexuell belästigt.
Wir werden geschlagen, vergewaltigt und ermordet.
Weil wir Frauen* sind.
Wir werden in die Defensive gedrängt: Sei es zuhause, auf der Straße oder im Arbeitsalltag – sei es politisch.

Die Kundgebung sollte dem entschiedenen Widerstand entgegenstellen: So hieß es:

Gemeinsam und solidarisch mit den feministischen Aktivist*innen weltweit sagen wir daher: Es reicht! Keine mehr – Ni una menos – Non una di meno! Es trifft eine* von uns, aber gemeint sind wir alle! Deshalb schlagen wir gemeinsam zurück! Wir sind längst nicht mehr traurig, wir sind wütend! Wir werden keine ohnmächtigen Opfer sein, sondern unser Recht auf Selbstbestimmung und ein Leben ohne Angst gemeinsam erkämpfen!

In Redebeiträgen wurde nicht nur die Situation in Deutschland am Beispiel der Gewalt in der Geburtshilfe (ungefragte Medikamentierung, ungefragte Eingriffe etc.), sondern auch in Guatemala, in der Türkei und Brasilien thematisiert.

In Videoeinspielungen wurde der starke und vielfältige feministische Protest weltweit auf der Kundgebung gezeigt. Die Kundgebung schloss mit einer Performance „Flashmob Las Tesis“ in einer Münsteraner Version.

Jede dritte Frau* hat mindestens einmal in ihrem Leben körperliche und/oder sexualisierte Gewalt erlebt

Jede dritte Frau* hat mindestens einmal in ihrem Leben körperliche und/oder sexualisierte Gewalt in Deutschland erlebt. Sexualisierte und gewaltvolle Übergriffe finden vor allem in Paarbeziehungen und im familiären Kontext statt. „Das haben die rapide steigenden Zahlen während der Corona-Pandemie erneut verdeutlicht“, kritisiert das Bündnis. „Stay at home!“ hieße für viele Frauen* auch, „sich der patriarchalen Gewalt in den eigenen vier Wänden auszusetzen“.

Aber auch ohne Ausnahmezustand tötet an jedem dritten Tag allein in Deutschland ein Mann seine Partnerin* oder Ex-Partnerin*. Weltweit werden fast 70 Prozent der weiblichen* Mordopfer von ihren männlichen Partnern ermordet.

Verfahren eingestellt inclusive Täter-Opfer-Umkehr

Es wurde ebenso kritisiert, dass in Münster jüngst ein Fall von häuslicher Gewalt von der Staatsanwaltschaft Münster eingestellt worden ist. Die Frau ist von ihrem Ex-Partner aufs Schlimmste beleidigt und körperlich attackiert worden. Ihr gelingt zwar die Flucht, aber anschließend randaliert der Mann in der Wohnung der Frau.

Die Polizei attestierte in einer Gefahrenprognose eine Widerholungsgefahr. Trotzdem stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein, es läge eine normale, im unteren Unrechtsbereich liegende „typische Beziehungstat“ vor. Bei solch einer Auflösung von Partnerschaftsbeziehungen sei dies „typisch und Bestandteil des Auflösungsprozesses“, so die Staatsanwaltschaft. „Hätten sich alle Beteiligten umsichtiger verhalten, wäre die Situation nicht derartig eskaliert“, heißt es weiter. Eine typische Täter-Opfer-Umkehr. Die Einstellung des Verfahrens wurde auf der Kundgebung heftig kritisiert.