Wieder einmal mehr Platz fürs Auto: Gedanken zu einer Ortsumgehung

Eine Hauptverkehrsstraße, die bis jetzt mitsamt Schwerlastverkehr und Tausenden in die nahe Großstadt strömenden Pendlern ein Wohngebiet zerschneidet, wird um den Ort herum verlegt. Alles gut?
Die Luxemburger Straße in Köln (B 265), die aus der Großstadt in südwestlicher Richtung heraus durch Börde und Nordeifel zur deutsch-belgischen Grenze führt, war eine alte Römerstraße und verlief ursprünglich wie zu deren Zeit üblich schnurgerade durchs Land. Davon ist heute nicht mehr viel zu sehen. Seit den 1950er Jahren schwenkt die Straße schon im nächstgelegenen Ort Hürth erstmals von der ursprünglichen Trasse ab. Damalige Ursache war ein dortiger Braunkohletagebau.
Und war es früher durchaus im Interesse der Bevölkerung im Umland einer größeren Stadt, dass eine Fernstraße durch den Ort führte, so wandelte sich die Meinung mit der zunehmenden Motorisierung und damit verbundenen Lärmbelästigung und Luftverschlechterung. So wurden überall Rufe nach Ortsumgehungen lauter, und auch die Luxemburger Straße nahm immer mehr Bögen um die Wohnbebauung, wie sich z. B. bei den nächstgelegenen Anliegerortschaften Liblar, Lechenich und Erp sehen lässt.
Um dann auch dem immer weiter wachsenden Autoverkehr entgegen zu kommen, waren diese Verlagerungen meist auch mit einer Verbreiterung der Trasse verbunden, und so wurde auch hier immer mehr Boden vom Asphalt verschluckt.
Das neueste Projekt dieser Art lässt sich nun in den an Köln nächstgelegenen Hürther Ortsteilen Efferen und Hermülheim beobachten. Am Ortsausgang von Efferen entsteht eine Trassenverlagerung, die den Verkehrsstrom links um Hermülheim herum führen wird. Auch hier mit einer Verbreiterung von 2 auf 4 Spuren und als reine Autopiste, Seitenstreifen für Fußgänger und Radfahrer sind nicht vorgesehen (wobei es sicher auch kein Vergnügen wäre, an solch einer Blechlawine entlang zu flanieren oder zu radeln).
Fortsetzung unten!

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Bildinformationen: |Ortsumgehung der B 265 in Hürth, Hürth-Hermülheim, Planungsskizze.
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Natürlich wurde es für die Anrainer immer schwerer erträglich, den mitten durch den Ort rollenden, immer dichteren Verkehr hinzunehmen. In Spitzenzeiten donnerten an Werktagen allein mehr als 1000 Schwerlastwagen über die Straße. Der Berufsverkehr nach Köln staut sich bis zu 5 Kilometer vor der Stadtgrenze, zum Feierabend verstopft sich die Straße dann in Gegenrichtung. Seit die Stickstoffdoixidbelastung hier gemessen wird, sind die Grenzwerte tagsüber notorisch über dem Limit.
Eine Lösung musste also her – und wieder einmal wird dabei dem Auto mehr Platz ins Land geschlagen, statt intensiver andere Verkehrsmittel zu fördern.
Efferen, wo die dichte Bebauung und ein angrenzendes Naturschutzgebiet eine Trassenverlagerung nicht möglich macht, wird nun aber wahrscheinlich umso schwerer unter dem Verkehrsstrom zu leiden haben. Denn auch hier, durch den Ort hindurch, soll dann die Straße soweit möglich einmal auf 4 Spuren verbreitert werden. Wenn also die Pendler damit weiter animiert werden, mit dem Auto in die Stadt zu strömen, wird der Verkehr wohl noch weiter zunehmen – Freitagsdemos hin, Klimadebatte her. Aber bald haben ja alle statt des SUV ein leises und sauberes Elektroauto – oder war damit auch noch was?
45 Millionen Euro waren für dieses Asphaltband veranschlagt, mittlerweile ist man bei 50 Millionen. Wieviel Kilometer Radwege könnten damit gebaut oder verbessert werden?
Aber vielleicht wird ja auch die Stadt Köln irgendwann dem Autozustrom in ihr Stadtgebiet weitere Limits setzen: Mal sehen, wieviele Autofahrer sich von der am Ortsrand zu Frechen (Aachener Straße, B 55) schon installierten Pförtnerampel auf Dauer die Bequemlichkeit vermiesen lassen. Aber dort gibt es mit parallel verlaufenden Regional- und S-Bahnen auch eine bessere Alternative. Den Unmut über die dort länger gewordenen Staus teilen sich die Pendler natürlich auch erst einmal mit den Frechener Anwohnern. Mal sehen, wer da den längeren Atem hat (wie das klingt …!)
Udo Slawiczek