Wem gehört die Kirche von Keyenberg?

Die Keyenberger Kirche ist an RWE verkauft und die meisten Menschen haben für den Braunkohleabbau ihre Dörfer und ihre Heimat verlassen. Aber es leben noch Menschen in den Dörfern, die auch gegen den Widerstand von RWE hier bleiben wollen. Die Entscheidung, zu gehen oder zu bleiben, wird in ihrer Konsequenz nach außen getroffen, ist aber für die Personen selbst nie eindeutig und für diejenigen, die gegangen sind, eher schmerzhaft. Die Selbstzweifel, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, werden mit der Frage, ob die Dörfer überhaupt „weg müssen“, genährt und verstärkt. Die Gemeinde ist nicht nur räumlich gespalten in Keyenberg-alt und Keyenberg-neu.

Ausdruck und Höhepunkt dieses Konfliktes war die Mitteilung der Kirchengemeinde die Keyenberger Kirche am 21. März 2021 zu profanieren und sie an RWE zum Abriss zu übergeben. Aber wenn das Gotteshaus entweiht ist, die Glocken fehlen, fehlt den in den alten Dörfern verblieben Menschen das Zeichen der Gemeinschaft. Die bereits umgesiedelte Gemeinde schließt die zurückgebliebenen Menschen aus und isoliert sie.

Die Entscheidung, die Kirche zu profanieren, hat einen wahren Proteststurm ausgelöst. Der Bischof von Aachen und der Priesterrat, ein Entscheidungsgremium der Diözese, wurden mit kritischen Schreiben überhäuft. Mit einer Presseerklärung vom 29.01.2021 nahm Bischof Dr. Helmut Dieser die Entscheidung der Kirchengemeinde zurück. Hervorzuheben ist, dass das Bistum Aachen eindeutig zum Ausdruck bringt, dass der geplante Tagebau die Pariser Klimaziele in Frage stellt. Und gerichtet an den Ministerpräsidenten NRW Armin Laschet sagt er: „Ein erst Mitte Dezember 2020 bekannt gewordenes, für die Bundesregierung erstelltes Gutachten aus dem Jahr 2019 zeigt Alternativen zu der gegenwärtigen Planung auf, mit denen die vom Generalvikariat benannten Handlungsoptionen möglich werden. Diese Möglichkeiten sollte die Landesregierung NRW nun in der neuen Leitentscheidung nutzen und absichern. (iba /Na 004)“

Inzwischen fokussiert sich der Protest des Hambacher Waldes auf den Verbleib der Dörfer im Bereich des Tagebaus Garzweiler II. Am Sonntag, 14.02.2021, nutzte Extinction Rebellion Köln den „Dorfspaziergang“ für eine Performance und einen Tag später, am Rosenmontag, platzierte Greenpeace trotz abgesagtem Rosenmontagszug seinen Motivwagen mit Armin Laschet vor den Kölner Dom und im Nachmittag vor der Kirche in Keyenberg.

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Merzenich, 16.02.2021    Text und Fotos: Hubert Perschke