Ride of Silence – bundesweiter Aktionstag zum Gedenken an tödlich verunglückte Radfahrer

Mit einer Schweigefahrt, dem sogenannten ‚Ride of Silence‘, gedachten Radfahrer am 15. Mai 2019 bundesweit den tödlich verunglückten Fahrradfahrern in ihren Städten. Weiter unten mehr!

Berlin
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Etappenweise wurden dabei die an den Unfallstellen vom ADFC aufgestellten weißen Räder angesteuert, die sog. Ghost Bikes, und man gedachte der Verunglückten mit Kerzen und Blumen, vereinzelt auch mit einer Schilderung des Unfallhergangs und der juristischen Aufarbeitung.

Die stillen Gedenkfahrten an schwer verunfallte oder getötete Radfahrer haben ihren Ursprung in den USA und wurde 2003 zum ersten Mal durchgeführt. Mittlerweile findet der Ride of Silence in vielen Städten und Gemeinden weltweit am dritten Mittwoch im Mai statt.

‚Die sind doch selber schuld‘, wird oft eingeworfen, wenn das Thema aufkommt. Klar: Deppen und Rowdys auf dem Rad, die beim Fahren auf dem Handy daddeln, bei Rot über die Kreuzung schießen oder brachial durch Flaniermeilen rasen, hat sicher jeder mal erlebt. Und auch manche polizeiliche Unfallstatistik scheint dies teilweise zu bestätigen. So weist die Unfallstatistik der Polizei in Köln (2017) z. B bei verunglückten Radfahrern eine Eigenverschuldung von 49 % aus.

Die Kölner Ortsgruppe des ADFC hat diese Zahlen kürzlich näher beleuchtet und ins rechte Licht gerückt: denn diese Quote enthält auch die Alleinunfälle, also z. B. Stürze durch schlechte Wegstrecke (ist das überhaupt ein ‚Alleinunfall‘ ?!) , Glatteis, Fahrfehler oder Unachtsamkeit ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer. Nimmt man sich statt dessen die interessanteste Unfallkonstellation vor, nämlich die Kollision von Fahrrad und Kraftfahrzeug, sind aber in 65,3 % der Unfälle die Kraftfahrzeuglenker die Verursacher. Und zählt man einmal genauso alle Unfälle mit Kfz zusammen, also auch dort Alleinunfälle, Kfz vs. Kfz, Kfz vs. Fahrrad, Kfz vs. Fußgänger, kommt man dort auf eine Verursacherquote von nicht 49, sondern sage und schreibe 97,8 % !

Details zu diesem Zahlenwerk sind nachzulesen in der Kölner ADFC-Mitgliederzeitschrift FahrRad 01/2019, digital abrufbar auf der Vereinswebseite www.adfc-koeln.de.

Ein schönes Beispiel dafür, wie man Pauschalierern und Polemikern den Wind aus den Segeln nehmen kann – und hoffentlich Ansporn, auch in anderen Städten und Regionen einmal nachzurechnen.

Die Fotos zeigen den Demonstrationszug in Berlin, der vom Brandenburger Tor aus trotz Regenwetter mit etwa 700 Teilnehmern durch die Stadt führte. (15.05.2019, Udo Slawiczek)