K├Âln: Oben bleiben oder doch nicht?

K├Âln – Vor der gestrigen Ratssitzung ├Ąu├čerten etwa 50-60 Demonstranten auf dem Theo-Burauen-Platz ihren Unmut gegen den geplanten Tunnelbau f├╝r die Ost-West-Achse. Auf der Tagesordnung der Ratssitzung stand n├Ąmlich eine Beschlussvorlage zur Entscheidung einer Vorzugsvariante und Vorbereitung eines Plan- und Bedarfsfeststellungsbeschlusses und die angestrebte Tunnell├Âsung. F├╝r diese umstrittene L├Âsung hatte die Stadt K├Âln und die KVB massiv im Vorfeld geworben und dies dann B├╝rgerbeteiligung genannt.

Die Demonstranten ├╝berreichten vor Beginn der Ratssitzung Verkehrsdezernentin Andrea Blome eine Unterschriftenliste von K├Âlner B├╝rgerinnen und B├╝rgern, die sich mit dieser Petition gegen eine Tunnell├Âsung ausgesprochen hatten. Wie wenig Wertsch├Ątzung die Verwaltung den B├╝rgern manchmal entgegenbringt wurde deutlich, als Andrea Blome die Unterschriftenliste mit den Worten ÔÇ×Ich h├Ątte ja auch unterschrieben, wenn nicht der Tunnel abgelehnt worden w├Ąre.ÔÇť entgegennahm. Dies erzeugte bei den Demonstranten nur Fassungslosigkeit und Kopfsch├╝tteln. Aber es wurde auch deutlich, dass an bestimmten Stellen der Verwaltung und des Rates Politik an den Menschen vorbeigemacht wird. So wurde aus den Gr├╝nen, -vermutlich auch aus Gr├╝nden des eigenen ÔÇ×MachterhaltsÔÇť-, aus einer ÔÇ×Oben-bleiben-ParteiÔÇť nicht ganz pl├Âtzlich und nicht ganz unerwartet eine ÔÇ×Oben-bleiben-oder-vielleicht-doch-nicht-ParteiÔÇť. Auch das erzeugt Politikverdrossenheit. In einer geheimen Abstimmung in der Ratssitzung wurde ein gemeinsamer ├änderungsantrag von CDU, Gr├╝nen und der Ratsgruppe GUT, der sich nun sowohl f├╝r die Pr├╝fung einer oberirdischen wie unterirdischen Variante ausspricht, mit der erforderlichen Mehrheit von 47 Stimmen angenommen. Und das, obgleich man sich nur f├╝r die oberirdische Variante h├Ątte aussprechen k├Ânnen.

Zu Recht wiesen die Demonstranten auf dem Theo-Burauen-Platz darauf hin, dass man mit der oberirdischen L├Âsung erhebliche Kosten einsparen und diese dann in bereits laufende Projekte investieren k├Ânnte. Denn die KVB hat weitere Baustellen die sich nun vermutlich weiter verz├Âgern werden, weil die mit den Projekten betrauten Ingenieure nun f├╝r die neuen Planungen zur Ost-West-Achse gebunden und an anderer Stelle fehlen werden. Da ist es nur folgerichtig, auf die zu erwartenden Verz├Âgerungen hinzuweisen. Auch auf die vielen anderen Nachteile einer Tunnell├Âsung wiesen die Demonstranten hin. So m├╝sste die gro├če U-Bahnstation Neumarkt eine weitere Tiefebene erhalten was es f├╝r mobilit├Ątseingeschr├Ąnkte Personen deutlich schwerer macht, ihre Bahnen zu erreichen. Denn die von der KVB hervorgehobene Fahrzeitverk├╝rzung w├╝rde sich schon alleine dadurch relativieren, dass Rolltreppen und Aufz├╝ge an K├Âlner U-Bahnstationen gerne nicht funktionieren und mehr au├čer-, als in Betrieb sind. Da bliebe dann f├╝r Rollstuhlfahrer oder Personen mit Rollatoren nur der lange und beschwerliche Weg ├╝ber die Treppen.

Was gestern im K├Âlner Rat beschlossen wurde ist nicht b├╝rgerfreundlich und schon gar nicht der ÔÇ×Gro├če WurfÔÇť. K├Âln hat wieder einmal gezeigt, dass es ÔÇ×DasÔÇť nicht kann. Aber wem sagt man das ÔÇŽ (BB)

Demo Kein Ost-West-Tunnel
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Bildinformationen: Demo Kein Ost-West-Tunnel|Demo gegen den Ost-West-Tunnelbau in K├Âln.
1/320 sec F 4.8|Dateiname: 20181218_bb_9888_20181219_1628381880
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