Konsum statt Gedenken? Niemals!

Wir waren über 200 die gekommen sind, Gäste aus Österreich, Polen, Frankreich und England. Sie sind gekommen um mit uns gemeinsam für einen angemessenen Ort der Erinnerung zu protestieren.
Bei allen Opfern und Angehörigen habe ich das Herzblut, aber auch die Wut gespürt.
Das Stadthaus braucht einen angemessenen Ort der Erinnerung an den Widerstand und die Verfolgung in Hamburg.
Die Erinnerung an den Faschismus und die Auseinandersetzung damit sind gesellschaftliche Aufgaben und gehören in den öffentlichen Raum! Mehr weiter unten!

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Die Erinnerung an den Faschismus und die Auseinandersetzung damit sind gesellschaftliche Aufgaben und gehören in den öffentlichen Raum. Unser gemeinsames Ziel ist eine Sichtbarmachung des Ortes als zentrale Stätte des Nazi-Terrors und als wĂĽrdiger Dokumentations- und Erinnerungsort an den antifaschistischen Widerstand in Hamburg Mitten in Hamburgs Innenstadt befindet sich der ehemalige Sitz der Ordnungspolizei, der Gestapo, der Kriminal- und Sicherheitspolizei und weiterer Polizeidienststellen des 3. Reiches. Von 1933 bis 1943 war hier fĂĽr Hamburg und weite Teile Norddeutschlands die Zentrale des Nazi-Terrors. Im Jahr 2009 stellte der Senat endlich fest, welch groĂźe Bedeutung dieses Gebäudeensemble an der StadthausbrĂĽcke fĂĽr die Gedenkstättentopografie der Stadt hat, und formulierte ausdrĂĽcklich die Notwendigkeit, hier „ein wĂĽrdiges Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Hamburg“ zu etablieren. Bedauerlicherweise haben die politisch Verantwortlichen beim Verkauf des Gebäudes jeglichen Gestaltungsanspruch fĂĽr einen wĂĽrdigen Gedenkort ohne Not aus der Hand gegeben. Als der Immobilieninvestor Quantum das Gebäude 2009 erwarb, musste er sich im Kaufvertrag lediglich dazu verpflichteten einen „Lernort mit unterschiedlichen Inhalten (Ausstellung, Seminare, Veranstaltungen, Inszenierungen, Dokumentationen)“ zu realisieren (Drs. 19/4555). HierfĂĽr war lt. Kaufvertrag eine Ausstellungsfläche von etwa 750 qm vorgesehen. Wer nun am 2. Mai 2018 zur StadthausbrĂĽcke 8a kommt und die Ladenfläche betritt, die einst ein Gedenkort an Widerstand und Verfolgung in Hamburg werden sollte, findet sich in einer Buchhandlung mit angeschlossenem CafĂ© und einer 70 qm-Gedenkecke wieder. In dieser Ecke haben 40 StĂĽhle Platz, als Ausstellungsfläche bleiben 13 laufende Meter Wandfläche. Wie hier die verschiedenen Aspekte der Verfolgung angemessen dargestellt und darĂĽber hinaus ein angemessenes Gedenken an den Hamburger Widerstand ermöglicht werden soll, bleibt unvorstellbar. Trotzdem behaupten sowohl Quantum als auch die Behörde fĂĽr Kultur und Medien als Vertreterin der Stadt Hamburg, der Investor habe seine Verpflichtung aus dem Kaufvertrag – einen wĂĽrdigen Gedenkort an Verfolgung und Widerstand zu errichten und zu betreiben – erfĂĽllt. Mit dieser peinlichen Provinzposse bleibt Hamburg deutlich hinter anderen Städten zurĂĽck: MĂĽnster, NĂĽrnberg, Köln, DĂĽsseldorf, MĂĽnchen, Berlin, … Nach Jahrzehnten des Verdrängens und Beschweigens wurden dort in den letzten dreiĂźig Jahren in Gebäuden, die ähnlich wie das Stadthaus in Hamburg, Hauptquartiere des organisierten Nazi-Terrors waren, moderne und angemessene Dokumentations- und Erinnerungsorte geschaffen. In Hamburg entsteht nun in dem Gebäude, wo sich einst Hamburgs NS-Terror-Zentrale befand, der wohl luxuriöseste Konsumtempel der Stadt, der unter dem Motto „Hommage an das Leben“ vermarktet wird. Hier wurden die Hamburger Polizeibataillone aus Hamburg, Bremen und LĂĽbeck fĂĽr den Einsatz im Vernichtungskrieg organisiert und eingesetzt Hier wurden die Deportationen der Hamburger JĂĽdinnen und Juden, Sinti und Roma geplant und vorbereitet Hier wurden unzählige mutige Menschen, die sich der Nazi-Herrschaft entgegenstellten, brutal gefoltert Hier begann der Leidensweg politischer Gegner-innen, Zeugen Jehovas, Homosexueller und als Asoziale Stigmatisierter in die Konzentrationslager Doch all das taucht in der Quantum-Image-Kampagne auf der Seite www.stadthoefe.de nach wie vor mit keinem Wort auf. Neben peinlichen plattdeutsch-französischen Textpassagen, die das heran- nahende „Unendliche Plaisir“ ankĂĽndigen, finden sich zur Geschichte des Hauses nur dĂĽrre Worte wie: „Die Gebäude sind in den Jahren 1888 bis 1916 als Sitz der Hamburger Verwaltung entstanden – bis zum Sommer 2013 wurden diese von der Behörde fĂĽr Stadtentwicklung und Umwelt genutzt.“ Ein solcher Umgang mit dem historischen Erbe bedeutet eine unerträgliche Banalisierung von Terrorherrschaft, Vernichtungskrieg und Völkermord und eine Verhöhnung der Opfer. Die Initiative Gedenkort Stadthaus ist empört, dass weder dem von der Kulturbehörde geladenen „Runden Tisch“ noch der danach erfolgten Berufung eines “Beirats“ die Bereitschaft zugrunde lag, an dem unwĂĽrdigen Konstrukt eines „Dreiklangs aus Buchhandlung, CafĂ© und Ausstellung“ noch irgendetwas Substanzielles zu ändern. Wir bleiben dabei: Hamburg braucht einen zentralen Dokumentations- und Erinnerungsort an Verfolgung und Widerstand in der zentralen Stätte des Nazi-Terrors. Diese Forderung werden wir auch weiterhin an die Stadt, an den Investor und Projektentwickler Quantum sowie an die inzwischen zu MehrheitseigentĂĽmern gewordenen Ă„rztlichen Versorgungswerke von Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt richten und erwarten entsprechende Entscheidungen. Wir nehmen den Triumph des Kommerzes ĂĽber die Erinnerung nicht hin: Konsum statt Gedenken? Jamais! ErstunterzeichnerInnen fĂĽr die Initiative Gedenkort Stadthaus: Arbeitskreis ehemals verfolgter und inhaftierter Sozialdemokraten (AvS); Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein e.V.; Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.; City-Hof e.V. – FĂĽr gelebte und gebaute Kultur; FG Sozial-, Kinder- und Jugendhilfe – ver.di Hamburg; AK Anti- Rassismus – ver.di Hamburg; Förderkreis Gedenkstätte und Lern- ort Stadthaus; Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme e.V.; Gegen Vergessen – FĂĽr Demokratie e.V.; Hamburger BĂĽndnis gegen Rechts; Initiative Gedenktafel Stadthaus 1981; Landesjugendring Hamburg e.V.; Netzwerk Recht auf Stadt Hamburg; Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der AntifaschistInnen; Stolper- steine Hamburg e.V.; Hein Pfohlmann, 1. Vorsitzender des Kuratori- ums der Gedenkstätte Ernst Thälmann Hamburg.; Dr. Sigrid Curth, Geschichtswerkstatt Wandsbek; Stephan Kaiser, SĂĽderelbearchiv; Detlef Baade; Rolf Becker; Esther Bejarano; Norbert Hackbusch; Ulrich Hentschel, Pastor i.R.; Barbara HĂĽsing; Michael Joho; Siri Keil; Bernhard Nette; Peggy Parnass; Bernhard Stietz-Leipnitz; Sönke Wandschneider, Pastor; Sylvia Wempner
Initiative Gedenkort Stadthaus
Der Protest geht weiter. Jeden Freitag von 17.00 – 18.00 Uhr – Mahnwache Stadthausbrücke / Ecke Neuer Wall
Wir bleiben dabei: Konsum statt Gedenken? Niemals!
Die Erinnerung an den Faschismus und die Auseinandersetzung damit sind gesellschaftliche Aufgaben und gehören in den öffentlichen Raum
Unser gemeinsames Ziel ist eine Sichtbarmachung des Ortes als zentrale Stätte des Nazi-Terrors und als würdiger Dokumentations- und Erinnerungsort an den antifaschistischen Widerstand in Hamburg.
Andrea Hackbarth, Hamburg, 03. Mai 2018