Geschichte unserer Zeit: Ulli Sander

Die VVN-BdA hat 2002 beantragt, eine Gedenktafel dort anzubringen, wo das Auffanglager in der Nazizeit in der Hermannstraße in Dortmund-Hörde stand. Es handelte sich um ein Arbeitserziehungslager, und das war ein betriebliches KZ der Stahlindustrie, gemeinsam betrieben mit der Gestapo. Von dort wurden Opfer der Bittermark- und Rombergparkmorde im FrĂŒhjahr 1945 weggebracht, und sie kamen nicht zurĂŒck. Weiter hier!

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Bildinformationen: 20182109_HDH_8902|Ulli Sander, Sprecher der VVN-BdA
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 Im August 2020 erfolgte nicht nur die Schaffung einer Gedenktafel, sondern noch mehr: Es entstand ein Mahnmal, das nun eingeweiht wurde. Also eine alles in allem erfolgreiche Aktion unserer VVN-BdA Dortmund. Wenn auch spĂ€t, es gelang zu verhindern, den Ort nicht im geplanten Phönix-See versinken zu lassen.

Der Rat der Stadt hatte den Bau des Mahnmals beschlossen mit folgender BegrĂŒndung:

Mehr als 13 Millionen auslĂ€ndische Zwangsarbeiter wurden wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs im Deutschen Reich ausgebeutet. Das nationalsozialistische Deutschland hatte den Krieg lange geplant und vorbereitet. Sein Ziel war die Unterwerfung und Ausbeutung Europas. DafĂŒr wurden die besetzten Gebiete ausgeplĂŒndert und Millionen MĂ€nner, Frauen und Kinder in das Deutsche Reich verschleppt. Überall wurden Zwangsarbeiter eingesetzt – in RĂŒstungsbetrieben ebenso wie auf Baustellen, in der Landwirtschaft, im Handwerk oder in Privathaushalten. Jeder Deutsche ist ihnen begegnet – ob als Besatzungssoldat in Polen oder als BĂ€uerin in ThĂŒringen. Es war das große öffentliche Verbrechen der Nationalsozialisten.

Allein in der Industriestadt Dortmund waren bis zu 80 000 MĂ€nner und Frauen als Zwangsarbeiter eingesetzt. Fast ein Viertel dieser ArbeitskrĂ€fte musste allein fĂŒr den Dortmund Hörder HĂŒttenverein (DHHV) arbeiten, dessen Werk Phönix an der Stelle des heute gleichnamigen Sees lag. Zudem befand sich hier am ehemaligen Emschertor/Hermannstraße auf dem WerksgelĂ€nde wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges auf Wunsch der Konzernleitung auch ein Lager der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). ZunĂ€chst diente das sogenannte Auffanglager fĂŒr etwa 80-100 Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion dazu, diejenigen, die die menschenverachtenden AuslĂ€ndergesetze der Nationalsozialisten ĂŒbertreten hatten, zu „disziplinieren“ und gleichzeitig zu immer unmenschlicheren Arbeitsleistungen fĂŒr den DHHV zu zwingen.

Im MĂ€rz 1945 diente das Lager zur Unterbringung unterschiedlicher Gruppen von Gestapo-HĂ€ftlingen, von denen viele von hier aus in den Rombergpark gebracht und dort kurz vor Kriegsende ermordet wurden.

Bis heute wurde diesem großen öffentlichen Verbrechen der Nationalsozialisten in Dortmund nicht in adĂ€quater Weise gedacht. FĂŒr die Stadt Dortmund, die derartig intensiv darin verwickelt ist, die aber zugleich der vielen anderen Verbrechen der Nationalsozialisten vielfĂ€ltig gedenkt, ist es von besonderer Bedeutung, auch diesem Verbrechen im öffentlichen Raum wĂŒrdig zu gedenken.

Der Standort am PHOENIX See eignet sich aus dem oben genannten GrĂŒnden besonders. Zudem lassen sich in fußlĂ€ufiger NĂ€he nahezu alle Formen der Zwangsarbeit exemplarisch belegen.

Im Rahmen eines Konstruieren-3-Seminars an der Fachhochschule Dortmund wurden im Sommersemester 2013 in Kooperation mit der Mahn- und GedenkstĂ€tte EntwĂŒrfe fĂŒr ein zentrales Dortmunder Denkmal zur Erinnerung an die Zwangsarbeiter erstellt. Als am besten umsetzbar und dem Thema am angemessensten war der Entwurf der Studentin Pia-Laureen Emde. Zusammen mit ihrem Dozenten, Dipl.-Ing. Marc Horstmeier entwickelte sie das Modell weiter.

Der Gestaltungsbeirat der Stadt hat dieses Projekt am 03.04.14 beraten. Sowohl der Standort als auch die AusfĂŒhrung des Denkmals werden ausdrĂŒcklich positiv zur Umsetzung empfohlen. Der Beirat schlug vor, ĂŒber eine “Visierung” (Nachbildung der Umrisse vor Ort in Form einer einfachen Holzkonstruktion) das Feintuning vorzunehmen. (Es wurde dann jedoch eine Stahlkonstruktion. (12.08.2020, Ulli Sander)

Ein Bericht der Einweihung des Mahnmals aus dem Nordstadtblogger hier!