Kolonialverbrechen: Das Denkmal zum Mahnmal machen?

MĂŒnster. In der Nacht von Sonntag, den 12. Juli 2020 auf den darauf folgenden Montag hat die Initiative das kolonialistische Train-Denkmal am Ludgeriplatz, das seit den 1980er Jahren umstritten ist, mit schwarzer Teerfarbe ĂŒberstrichen. Alle Inschriften sollten so unkenntlich gemacht werden. Das gelang nicht ganz. In einem „Bekennerschreiben“ hat sich die Initiative „Mahnmal statt Denkmal“ zu der Aktion bekannt.

Weiterlesen…

Kolonialverbrechen: Das Denkmal zum Mahnmal machen?
Copyright: (c) Jan Große Nobis

Copyright: (c) Jan Große Nobis
Bildinformationen: Kolonialverbrechen: Das Denkmal zum Mahnmal machen?|
1/60 Sek. F 5|Dateiname: 20200714_jgn_img_7335
Download nur fĂŒr angemeldete Benutzer  
 

Die Initiative will damit auf die VerklĂ€rung und Verherrlichung der deutschen Kriegsverbrechen im Kolonialismus aufmerksam machen. „Eine singulĂ€re weiße Geschichtsschreibung, die nicht-weißen Menschen keinen Platz im kollektiven GedĂ€chtnis dieser Welt einrĂ€umt, negiert diese Gewalttaten bis heute. Weiße Kolonialherren werden ikonisch-heldenhaft hochstilisiert, ihre Verbrechen werden (grĂ¶ĂŸtenteils) verschwiegen oder relativiert“, so die Initiative in der ErklĂ€rung. Diese einseitige weiße Geschichtsschreibung umzustoßen, das sei ihr Ziel.

Bisher wird das Geschichtsbild des Denkmals nur auf einer kleinen ErgĂ€nzungstafel historisch eingeordnet. Oder eben auch nicht: Denn der Genozid an den Herero und Nama wird auch dort nicht Völkermord genannt. Schließlich wurde die Tafel 2010 als Minimalkonsens beschlossen und aufgestellt. Und die Bundesregierung hat den Völkermord erst 2016 als solchen anerkannt.

Das Denkmal selbst erinnert an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges der Train-Einheit. Die zwei Zusatztafeln erinnern an drei Soldaten, von denen zwei beim Völkermord an den Herero und Nama gefallen sind und einer bei der brutalen Niederschlagung des Boxer-Aufstandes in China.

„Wo ein Denkmal fĂ€llt, soll ein Mahnmal entstehen. Statt den Kolonialverbrechern zu huldigen, muss die Ehrung denjenigen zuteilwerden, die gegen die koloniale Gewaltherrschaft gekĂ€mpft haben. So wird der Anspruch einer antirassistischen Gesellschaft auch im Stadtbild verankert“, so die Initiative.

Und so kann die Methode, wie die Initiative vorgegangen ist, gerne kritisiert werden. Die Stadt muss aber einsehen, dass ein Schandmal, das mitten in unserer Stadt einen Völkermord heroisiert, nicht so stehen bleiben kann. Das Denkmal muss endlich in ein Mahnmal umgestaltet werden.

Weitere Infos:

Stadtarchiv: Train-Denkmal (Königlich Preußische WestfĂ€lische Train-Abteilung Nr. 7)
https://www.stadt-muenster.de/kriegerdenkmale/zum-ersten-weltkrieg/traindenkmal.html

Unbekannte beschÀdigen umstrittenes Train-Denkmal
https://wiedertaeufer.ms/unbekannte-beschaedigen-train-denkmal/

MĂŒnster: Aktion am Train-Denkmal: „Mahnmal statt Denkmal“
https://muenstertube.wordpress.com/2020/07/13/muenster-aktion-am-train-denkmal-mahnmal-statt-denkmal/

Aus dem Denkmal soll ein Mahnmal werden: Initiative macht Inschriften des Train-Denkmals unkenntlich
https://mvz-online.chayns.net/Ticker?M=113552439