Ich bin ein Opfer der Friedenssehnsucht, es folgen noch mehrere…

Heute, am 3. August, gedachten Friedensaktivistinnen und -aktivisten des K√∂lner Friedensforums und der VVN/BdA auf Einladung der 12. √Ėffentlichen Internationalen Fastenaktion der Ermordung von Max Reichpietsch und Albin K√∂bis am 5. September 1917 in K√∂ln-Wahn durch die deutsche Milit√§rjustiz. Die Hinrichtung war v√∂llig willk√ľrlich, weil daf√ľr kein Rechtsgrund vorlag, denn bei Reichpietsch und K√∂bis ‚Äď beide damals Mitglieder der USPD – ging die Milit√§rjustiz von R√§delsf√ľhrerschaft und gemeinsamer Aufwiegelung aus, was nach heutigen Erkenntnissen zumindest umstritten ist. Die Gr√ľnde ihres Protestes waren andere: ‚ÄěSie wurden wie Sklaven schikaniert. Sie f√ľhrten Streiks durch gegen die Hungerrationen und das oft v√∂llig verdorbene Essen, bei gleichzeitigem Festschmaus f√ľr die Offiziere‚Äú, schreibt G√ľnter Baumann in seiner Rede bereits 2017. Die Sache hat mehr mit heute zu tun, als man denkt. Weiter hier!

01-20210803_hdh_6972
Copyright: © Hans-Dieter Hey, all rights reserved - hans-dieter.hey[at]r-mediabase.eu
Bildinformationen: |Gedenken an die Hinrichtung von Albin Köbis und Max Reichpietsch am 5. September 1917 durch die Militärgerichtsbarkeit
Dateiname: 01-20210803_hdh_6972

W√§hlen Sie f√ľr den Download ein entsprechendes Bild aus der Reihe der kleineren Bilder aus. Dieses Bild wird anschlie√üend 'oben' angezeigt und kann mit einem Button heruntergeladen werden. Der Download ist nur f√ľr angemeldete Besucher freigegeben.
 
 

…kein belastbarer Beweis…

In einer Ansprache von Kapit√§nleutnant Tanja Merkl aus dem Jahr 2018 hei√üt es: “Die Treffen zwischen K√∂bis und Reichpietsch und Angeh√∂rigen der USPD F√ľhrung, das Sammeln von Unterschriften und der Austausch von politischem Werbematerial, ist kein belastbarer Beweis f√ľr eine parteipolitisch bestimmte Aufstandsbewegung.” Und weiter: “Es ist festzuhalten, dass das Aufstandsbegehren von K√∂bis und Reichpietsch keine lang geplante, gut durchorganisierte Struktur besa√ü. Sie waren weder politisch geschult noch im Halten von Reden erfahren. Bis zu ihren Festnahmen im August 1917 waren ihre Handlungen eher spontane Reaktionen als vorbereitete Aktionen.” Nach heutigem Recht g√§be es f√ľr derartige Meuterei und Gehorsamsverweigerung – wenn √ľberhaupt – 3-5 Jahre Haft.

Die Toten kommen nicht zur Ruhe

Die Toten kommen nicht zur Ruhe. Im Jahr 2017 kommt der Deutsche Bundestag in einer Ver√∂ffentlichung des wissenschaftlichen Dienstes, Nr. 7 – 3000 ‚Äď 116/17, zu der Erkenntnis, eine Wiederaufnahme der Verfahren K√∂bis und Reichpietsch sei kein ‚Äěgeeignetes Instrument zur nachtr√§glichen Korrektur von Verurteilungen, die aufgrund eines zwischenzeitlichen Wandels der Rechtsanschauungen oder der Gesetzeslage heute nicht mehr erfolgen k√∂nnten‚Äú.

Das ist deshalb beachtlich, weil man sich unwillk√ľrlich an den Satz von Hans Filbinger vom 15. Mai 1978 erinnert: “Was damals rechtens war, kann heute nicht Unrecht sein”. Wegen dieses Satzes zur Unrechtsjustiz des Hitlerfaschismus musste er am 7. August 1978 als baden-w√ľrttembergischer Ministerpr√§sident zur√ľcktreten. Der Vorwurf lautete, er habe als NS-Marinerichter noch im M√§rz 1945 an Todesurteilen mitgewirkt und f√ľr ihre Durchf√ľhrung gesorgt.

Im Westen nichts Neues

Die Toten, die nicht zur Ruhe kommen, mahnen uns angesichts des gegenw√§rtigen, weltweiten S√§belrasselns und vor allem der deutschen Hochr√ľstung mit den letzten Worten von Albin K√∂bis: ‚ÄěIch sterbe zwar nicht gern so jung, aber ich sterbe mit einem Fluch auf den deutschen Milit√§rstaat‚Äú.

Vom 25. Juli bis zum 9. August 2021 findet vor der Einfahrt zum Luftwaffenamt die 12. internationale √∂ffentliche Fastenaktion des internationalen Vers√∂hnungsbundes statt. “Solange die Atomwaffen immer noch in Deutschland lagern wird jedes Jahr ein Tag l√§nger gefastet” hei√üt es in der Ank√ľndigung. Die internationale Fastenaktion begann 2010, immer an jedem 5. August und endet am Nagasaki-Gedenktag, dem 9. August. (03.07.2021, Hans-Dieter Hey)

Ergänzung am 11.08.2021.

Die Gedenkveranstaltung ging mit freundlicher Begleitung der Bundeswehr von statten. Ganz entgegen kommend war, dass vor dem einbrechenden Regen Bundeswehrfahrzeuge f√ľr den R√ľcktransport zur Verf√ľgung gestellt wurden. Dagegen √ľberfl√ľssig waren die bewaffneten Milit√§rpolizisten, denn von den 23 meist √§lteren Menschen der Gedenkfeier ging sicher keine Gefahr aus. Der Besuch der Gr√§ber (auf st√§dtischem Gel√§nde!) nur mit Erlaubnis der Bundeswehr wird damit begr√ľndet, dass die Milit√§rgeschichtsschreibung die “politischen Motive der Matrosen sowie die Vorg√§nge des Jahres 1917” (Wikipedia) noch nicht gekl√§rt habe. Wie bitte? Wo kommen wir denn in diesem Lande hin, wenn die Milit√§rgeschichtsschreibung die Geschichte diktiert und Zutritt zu Gedenk- und Grabst√§tten zul√§sst oder verweigern k√∂nnte? Hier gibt es l√§ngst √ľberf√§lligen Handlungsbedarf der Stadt K√∂ln. Im Grunde ist es ein Skandal, dass dieser Zugang durch die Stadt nicht l√§ngst ge√∂ffnet wurde, denn in direkter N√§he befinden sich eine √∂ffentliche Stra√üe und private Wohnh√§user. Offenbar fehlt es an politischem Willen, weil die Ehrung durch Justizmord get√∂teter nicht erw√ľnscht ist. Es ist unfassbar, dass bis 2007 sogar das Halten von Gedenkreden untersagt war. (Hans-Dieter Hey)

Ansprache von Beate Engelke zur Ermordung von Reichpietsch und Köbis vom 03.08.2021

Rede von G√ľnter Baumann aus dem Jahr 2017

Die letzten Briefe von Reichpietsch und Köbis

Klaus der Geiger mit “Dr√ľckeberger”