„Gefahrenzone Hafenplatz – Gegen Verschwörungserzählungen“

Mit einem Sicherheitsband gegen Verschwörungserzählungen und eine rechte Querfront haben 50 Antifaschist*innen in einer Gegenveranstaltung gegen das „Fest“ der rechtslastigen Verschwörungsideologen auf dem Hafenplatz demonstriert. Die Gruppe „Gemeinsam für unsere Grundrechte – Münster“ hatte dazu aufgerufen. Auf den Protestschildern stand: „Gefahrenzone Hafenplatz – Gegen jeden Antisemitismus“, „Gefahrenzone Hafenplatz – Gegen Verschwörungserzählungen“, „Gefahrenzone Hafenplatz – Gegen eine rechte Querfront“ oder auch einfach nur „Bitte halten Sie Abstand – Für Ihre eigene Gesundheit und unsere Gesellschaft“.

Update: Die Pressemitteilung der Aktivist*innen wurde unter der Galerie ergänzt.

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Copyright: (c) Jan Große Nobis

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Münster: Kunstaktion markiert rechtsoffene: „Corona-Rebellen“-Demonstration als Gefahrenzone

Pressemitteilung des „Aktionsbündnisses gegen Verschwörungserzählungen, Antisemitismus und eine rechte Querfront“

Mehr als 50 Aktivist*innen haben am 12.09.2020 in Münster mit einer Kunstaktion gegen eine Kundgebung der sogenannten „Corona-Rebellen“ protestiert. Mit Absperrband, Schildern und einer infektionsschutzkonformen Menschenkette machten sie darauf aufmerksam, dass auf dem Hafenplatz Verschwörungserzählungen verbreitet, antisemitisches Gedankengut weitergetragen, die Anwesenheit und Beteiligung von extrem Rechten geduldet und die Hygienemaßnahmen gegen die Covid19-Pandemie generell in Frage gestellt wurden. Die “Corona-Rebellen” Münster hatten unter dem Motto „Fest für Frieden und Freiheit“ zu einer Großkundgebung mit 1000 Teilnehmenden mobilisiert, es folgten aber nicht einmal halb so viele Personen dem Aufruf. Dennoch war es die bis dato größte Mobilisierung aus diesem Spektrum in Münster, auch weil diese überregional getragen wurde.

„Was oftmals wirr und teils auch komisch anmuten mag, ist tatsächlich brandgefährlich. Die ‘Corona-Rebellen’ Münster verbreiten eine Mischung aus Verschwörungserzählungen, antisemitischem Gedankengut und ebenso kruden wie teils den Nationalsozialismus relativierenden Widerstandsaufrufen gegen sinnvolle Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung“, erläutert Hilde Schabrod, Pressesprecherin des „Aktionsbündnisses gegen Verschwörungserzählungen, Antisemitismus und eine rechte Querfront“, die Motivation der Protestierenden, „deshalb haben wir den Hafenplatz heute als Gefahrenzone markiert und Passant*innen informiert.“

Teilnehmende und Passant*innen wurden mit einem Jingle über die Aktion und das Treiben der rechtsoffenen „Corona-Rebellen“ auf dem Hafenplatz informiert. Nach gut einer Stunde beendeten die Aktivist*innen die Aktion ohne in den Dialog mit den „Corona-Rebellen“ getreten zu sein.

Das war Teil des Konzeptes – auch um die Sicherheit der Aktivist*innen zu gewährleisten: „Wir sind nicht hergekommen, um zu diskutieren. Diese irrationalen Verschwörungserzählungen sind argumentativ nicht aufzubrechen“, erläutert Schabrod die Kommunikationsstrategie der Aktivist*innen, „zudem wurden auf dem Hafenplatz wie auch in den letzten Wochen fast jegliche Hygienemaßnahmen ignoriert – das ist ein potenzieller Corona-Hotspot: Wir bleiben selbstredend verantwortungsvoll und bleiben daher auf Distanz.“ Die Aktivist*innen legten auch Wert auf die gesellschaftliche Verantwortung, die mit der Einhaltung der Hygienemaßnahmen wahrgenommen werden kann, und bezeichneten diese als praktische Form gesellschaftlicher Solidarität. „Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit darstellen“, so Schabrod diesbezüglich, „umso unverständlicher ist der sehr zuvorkommende Umgang der Polizei Münster mit der Kundgebung. Da wurden beide Augen zugedrückt.“

Ob die Aktivist*innen ihren Protest in den kommenden Wochen fortsetzen ist noch offen. „Das hängt davon ab, wie sich die ‚Corona-Rebellen‘ nach dem heutigen Tag aufstellen. In den letzten Wochen haben sie konsequent an Zulauf verloren,“ so Schabrod zur rechtsoffenen, verschwörungsideologischen Gruppe aus Münster. „Aber wir werden immer dann zur Stelle sein, wenn Verschwörungserzählungen verbreitet, antisemitisches Gedankengut propagiert und der Schulterschluss mit der extremen Rechten gesucht oder diese geduldet wird.“

Mit dem folgenden Jingle wurden Passant*innen über die Aktion informiert:

„Liebe Teilnehmende, liebe Passant*innen,

wir stehen hier heute aus einem bestimmten Grund: Wir markieren hier eine Gefahrenzone.

Gefährlich deshalb, weil dort auf dem Hafenplatz Verschwörungserzählungen verbreitet werden, weil dort antisemitisches Gedankengut weitergetragen wird, weil dort die Anwesenheit und Beteiligung von extrem Rechten geduldet wird, weil dort die Hygienemaßnahmen gegen die Covid19-Pandemie generell in Frage gestellt und in die Nähe einer Diktatur gerückt werden. Diese Ideologien stellen für uns alle, als solidarische Gesellschaft eine Gefahr dar.

Doch nicht nur inhaltlich, sondern auch im konkreten Handeln ist diese Gruppe gefährlich. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, um andere zu schützen, wird kategorisch abgelehnt. Mindestabstände werden nicht eingehalten, Empfehlungen der Gesundheitszentren geflissentlich ignoriert. Das ist ein potenzieller Corona-Hotspot.

Deshalb das Gefahrengebiet, deshalb die Absperrung. Wir werden uns auf keine Diskussion einlassen und Abstand wahren – sowohl tatsächlich als auch inhaltlich. Bitte halten auch Sie Abstand, für Ihre eigene Gesundheit und unsere Gesellschaft.

Danke!“