Vor 75 Jahren: ├ťberfall Nazideutschlands auf die UDSSR

Wieder gegen Russland

75 Jahre nach dem ├ťberfall auf die Sowjetunion: F├╝r die Bundesregierung hat das Gedenken keine gro├če Bedeutung.

Niemand ist vergessen, nichts ist vergessen┬ź ÔÇô diese Grabinschrift auf dem Leningrader Piskarjow-Gedenkfriedhof erinnert an diejenigen, die w├Ąhrend der Belagerung der Stadt im Zweiten Weltkrieg starben und dort in Massengr├Ąbern begraben sind. F├╝r die Bundesregierung scheint das Wachhalten der Geschichte keine gro├če Bedeutung zu haben, wie sich ihrer Antwort auf meine kleine Anfrage ┬╗Gedenken der Bundesregierung an 75 Jahre ├ťberfall auf die Sowjetunion┬ź entnehmen l├Ąsst.

W├Ąhrend sich auf der einen Seite seit Jahren geschichtsrevisionistische Angriffe mehren, die den Beitrag der damaligen Sowjetunion und der Roten Armee zur Befreiung Deutschlands und Europas vom Faschismus schm├Ąlern und relativieren wollen, verweigert die Bundesregierung schlicht ein w├╝rdiges Gedenken an jene, die Opfer des ├ťberfalls des faschistischen Deutschlands am 22. Juni 1941 wurden. Mehr als 26 Millionen Menschen wurden im Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion get├Âtet ÔÇô zwei Drittel von ihnen waren Zivilisten. St├Ądte, D├Ârfer und Fabriken in der Sowjetunion wurden von den deutschen Besatzern niedergebrannt und zerst├Ârt.

Der Umgang mit der deutschen Geschichte spiegelt das aktuelle politische Klima zwischen Ost und West wider. ┬╗Weder im Inland noch im Ausland┬ź richtet die Bundesregierung in Erinnerung an den 75. Jahrestag des deutschen ├ťberfalls auf die Sowjetunion eine Gedenkveranstaltung aus. Dies sei Aufgabe der ┬╗fachkundigen (ÔÇŽ) Einrichtungen der politischen, historischen und kulturellen Bildung┬ź, hei├čt es in der Antwort lapidar. Und so richtig die Feststellung des deutschen Au├čenministers Frank-Walter Steinmeier ist, dass der Frieden in Europa, der nun seit mehr als 70 Jahren zumindest ohne gro├čen Krieg herrscht, das kostbarste Gut ist, das wir haben, und er daf├╝r k├Ąmpfen werde, dass das nicht aufs Spiel gesetzt wird, und so richtig seine j├╝ngste NATO-Kritik ist, seine Taten sprechen eine ganz andere Sprache.

Denn f├╝r die Politik der ┬╗Einkreisung┬ź Russlands durch die NATO durch Aufnahme weiterer Mitglieder und die Aufstellung eines ┬╗Raketenabwehrsystems┬ź stehen eben die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und auch Au├čenminister Steinmeier. Diese Gewaltpolitik erf├Ąhrt durch Gro├čman├Âver des westlichen Milit├Ąrpakts in unmittelbarer Nachbarschaft zu Russland und durch die Stationierung weiterer Truppen in Polen, Litauen, Lettland und Estland nunmehr eine konfliktversch├Ąrfende Fortsetzung. Wohl wissend, dass eine ┬╗dauerhafte Stationierung┬ź von ┬╗substantiellen┬ź Kampfverb├Ąnden gegen die NATO-Russland-Grundakte aus dem Jahr 1997 versto├čen w├╝rde, l├Ąsst man die vier multinationalen NATO-Bataillone mit je etwa 1.000 Mann rotieren. Deutschland kommt dabei 75 Jahre nach dem ├ťberfall auf die Sowjetunion eine wichtige Rolle zu: Die Bundeswehr ist Teil der Aufmarschpolitik gegen Russland und soll in Litauen die F├╝hrung ├╝ber das NATO-Kontingent ├╝bernehmen.

Die Bundesregierung setzt auf das Vergessen, was die Folgen einer Konfrontationspolitik sein k├Ânnen. Der neue Feind steht im Osten. Er hei├čt Russland. Gegen ihn scheint jedes Mittel recht: Sanktionen, Aufr├╝stung, Destabilisierungsma├čnahmen. Von Resultaten dieser verheerenden Aggressionspolitik aber will man nichts wissen. Dabei ist die Bundesregierung konsequent: Die Erinnerung an den ├ťberfall auf die Sowjetunion soll ausgel├Âscht werden, um ungest├Ârt an Russlands Grenzen zu z├╝ndeln. (Von Sevim Dagdelen, Junge Welt vom 22.06.2016)

Sevim Dagdelen ist Sprecherin f├╝r internationale Beziehungen der Linksfraktion und Mitglied im Ausw├Ąrtigen Ausschuss des Bundestages

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