Paris-Köln: Trauermarsch zum Gedenken an die Opfer des Terroranschlags in Paris

Ungefähr 800 Kölner Bürger trafen sich mit Menschen aus Frankreich spontan zu einem Trauermarsch und gedachten der Opfer des Terroranschlages in Paris vom 13. November. Auch wir als Mitglieder von R-mediabase leiden mit den Verwandten und Freunden der Opfer. Wir hoffen, dass sie Schmerzen und Trauer überwinden und ohne Haß zu einem normalen Leben zurückkehren können. Sie können unserer Solidarität und unseres aufrichtigen Mitfühlens gewiss sein.

Zu den Anschlägen und zur Gesamtsituation hier eine Stellungnahme des Verbandes R-mediabase.

Hierzu auch bereits Konstantin Wecker am 15. 11.:

‘Liebe Freunde,

mit einem grinsenden Smiley bejubelt Matthias Matussek, Autor der „Welt“, auf Facebook die Anschläge von Paris, um sie für sein rassistisches Weltbild zu gebrauchen: „Ich schätze mal, der Terror von Paris wird auch unsere Debatten über offene Grenzen und eine Viertelmillion unregistrierter junger islamischer Männer im Lande in eine ganz neue frische Richtung bewegen.“ Aber ist es nicht so, dass diese „unregistrierten jungen Männer und Frauen“ genau vor diesem Terror fliehen? Vor den Mörderbanden des IS? Anstatt alle islamischen Männer unter Generalverdacht zu stellen, sollte man einfach mal nachdenken: Derart gut ausgerüstete Attentäter begeben sich ganz sicher nicht schwer bewaffnet auf eine monatelange Flucht übers Mittelmeer, sie sind von gut vernetzten und finanziell bestens ausgestatteten Organisationen mit Waffen bestückt und geschickt. So schrecklich es ist, aber nun bekommen wir einmal mehr etwas davon mit, in welcher Angst Millionen von Menschen seit Jahren leben müssen, tagtäglich Terror und Bombenangriffen ausgeliefert. Und wer weiß, wenn man die Waffen der Terroristen zurückverfolgen würde, ob man nicht immer wieder auch auf Waffen deutscher Herstellung stoßen würde. Herr Matussek ist gespannt »wann die Regierenden erneut eine Lichterkette aufbauen und davor warnen, den Islam zu verteufeln und den rechten Populisten hinterherzulaufen«. Es ist schäbig, so ein schreckliches Ereignis für seine eigene krude Ideologie zu missbrauchen. Doch ich fürchte es wird Schule machen. Matussek ist natürlich nicht allein. Rechtspopulisten, wie Bayerns Finanzminister Markus Söder fordern nach den Anschlägen von Paris Konsequenzen für die deutsche Flüchtlingspolitik. “Es kann nicht sein, dass wir nicht wissen, wer nach Deutschland kommt und was diese Menschen hier machen. Diesen Zustand müssen wir mit allen Mitteln beenden“. So kocht eben jeder dieser aufrechten Männer sein infames Süppchen mit dem Leid der Menschen.

In seinem klugen Kommentar im „nd“ schreibt Tom Strohschneider: „Auf gewisse Weise sind die Hass-Twitterer und die Matusseks dieser Welt die besten Helfershelfer der Terroristen. Beide betreiben ein Geschäft mit der Angst, in dem der Tod von Menschen eingepreist ist, und das dazu dienen soll, einen erreichten Stand gesellschaftlicher Zivilität zu unterminieren, den man zwar für unzureichend halten kann. Der aber verteidigt gehört gegen den Rückfall in barbarische Zustände. Vive la liberté.“

Lasst uns in unserer berechtigten Wut über diese barbarische, grausame, durch nichts zu entschuldigende Tat nicht die Ärmsten der Armen zu Sündenböcken machen. Die Unmenschlichkeit dieser Anschläge darf uns nicht unserer Menschlichkeit berauben.

P.S.: Bernd Ulrich schreibt in der ZEIT:

„Der größte Feind des islamistischen Terrorismus ist die Willkommenskultur. Denn das ist das einzige, was wir noch nicht ausprobiert haben: die Araber und Perser so zu behandeln, als seien sie Menschen wie Du und ich, wie Nachbarn. In den letzten 100, 50, 20, zehn und zwei Jahren haben Europäer und Amerikaner den Mittleren Osten misshandelt, ausgebeutet und verachtet. Nie stand die Frage im Zentrum, was können wir tun, damit es den Menschen dort unten besser geht. Immer ging es zu allererst um die Frage, wie man Öl rausholt und Terrorismus nicht rauskommen lässt. ……
Dazu müssen die Europäer sich mit den gutwilligen, fliehenden, dort unten um ihre Rechte kämpfenden Muslimen gegen jene verbünden, die Hass säen, gegen die Terroristen vom IS und gegen die herrschenden Islamisten in Saudi-Arabien…“

Einen anderen Weg gibt es nicht, oder Europa taumelt – wie es seinerzeit Thomas Mann über Deutschland schrieb – dem Abgrund entgegen.’

Update 18.11.2015

Sind eigentlich manche von Sinnen, muss man fragen?

Wir haben offensichtlich die falschen Medien, die unreflektiert und marktschreierisch ins Kriegshorn blasen. Beispielsweise der Kölner Express einen Tag nach dem Anschlag (siehe Foto). Wie verantwortungslos ist das! Man kann diese kriegstreibende Politik auch nicht mehr den gewählten Volksvertretern allein überlassen. Schon verlangen die Rechtsausleger in der CDU wie Wolfgang Schäuble den Einsatz der Bundeswehr im Inneren. Wann begreifen sie endlich unsere Geschichte und die wirklichen Zusammenhänge?

Dagegen aufklärendes weiter unten:

‘Krieg! Krieg! Krieg! – Sie kriegen nicht genug vom Krieg – Der Kapitalismus ist der Krieg

Oskar Lafontaine am 18.11.2015 auf facebook

„Wir werden schonungslos sein“, die Drohung des französischen Staatspräsidenten François Hollande nach den Anschlägen prangt in großen Buchstaben unter der Trikolore auf der Titelseite der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS). Er vergaß zu erwähnen, dass die französischen Jagdflieger schon seit längerem in Syrien „schonungslos“ bombardieren. „Ruft NATO Bündnisfall aus?“ fragte, nein forderte die FAS.
„Weltkrieg“ überschrieb Berthold Kohler, Rechtsausleger im Herausgeber-Kollegium der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, seinen Leitartikel. Um fortzufahren: „Nur 10 Monate nach dem Attentat auf ‚Charly Hebdo‘ erschüttert eine noch blutigere Tat die französische Hauptstadt und die übrige Menschheit, jedenfalls den Teil von ihr, den man zivilisiert nennen kann… Der islamische Terrorismus hat dem Westen den Krieg erklärt und er ist dazu fähig, ihn in die Herzen der westlichen Metropolen zu tragen.“ Nie käme Berthold Kohler auf die Idee, die Wahrheit zu sagen: Der US-Imperialismus hat dem Vorderen Orient den Krieg erklärt und er hat ihn in die Herzen von Kabul, Bagdad und Damaskus getragen. Nur noch rassistisch ist seine Aufteilung der Menschheit in einen „zivilisierten“ und einen unzivilisierten Teil.

Springers „Welt“ darf dem nicht nachstehen. Sie macht mit der reißerischen Schlagzeile auf: „Diesen Krieg müssen wir gewinnen.“ Und die Unterzeile lautet: „Die demokratischen Staaten sollten angesichts des Terrors deutlich wehrhafter werden.“ Der Autor dieser Zeilen ist ein gewisser Richard Herzinger, den die Leser auch schon mal mit dem Pressesprecher des CIA verwechseln könnten. Darunter ist das Bild einer Scheibe mit Einschusslöchern zu sehen, in die Trauernde Nelken gesteckt haben. Die „Kriegslustigen“ (Ernst Jünger) im deutschen Kampfjournalismus sind kaum noch zu bremsen.

„Damit das System fortbestehen kann, müssen Kriege geführt werden, wie es die großen Imperien immer getan haben. Die führenden Volkswirtschaften in der Welt sanieren ihre Bilanzen mit der Produktion und dem Verkauf von Waffen“, sagt Papst Franziskus. Die deutschen Schreibtisch-Bomber sollten sich ihre Schlachtrufe sparen. Der „Westen“ führt seit langem Krieg um Absatzmärkte und Rohstoffe. Der Kapitalismus ist der Krieg.’ (Hans-Dieter Hey)

Weiter auf German Foreign Policy und

der Webseite von Andrej Hunko

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