„Die Angst wird uns aber nicht daran hindern, auf die Straße zu gehen!“ – Münster, Februar 2020

Am Donnerstagabend haben sich etwa 500 Menschen am Bahnhof in Münster versammelt. Sie waren alle geschockt, ob der Tat, die in der vergangenen Nacht verübt worden ist. 9 Menschen wurden in einem rechtsterroristischen Akt Opfer eines Massakers in einer Shisha-Bar in Hanau/Hessen.

Aufgerufen zu dem Gedenken hatten die Gruppen Eklat, No Limit – Offener antifaschistischer Treff, Falken Münster, Seebrücke Münster, Ende Gelände Münster, Antifaschistische Linke Münster, Bündnis gegen Abschiebungen Münster, Interventionistische Linke Münster und das Kneipenkollektiv Leo:16.

„Es scheint als würde sich die Geschichte wiederholen. Doch wir wissen auch, dass es auch nie ein Ende der Geschichte und des Rassismus gegeben hat. Nun stehen wir hier nach über 20 Jahren und wissen ganz genau, wie sich unsere Eltern gefühlt haben und spüren dieselbe Wut und die Angst. Die Angst wird uns aber nicht daran hindern auf die Straße zu gehen und gemeinsam den Rassismus zu bekämpfen!“ führte eine von Rassismus betroffene Münsteranerin am Beginn der Kundgebung aus.

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Die Veranstalter*innen machten deutlich, dass solche Taten nicht vom Himmel fallen. „Sie werden angetrieben von den rechten Hetzen. Rassistische Morde gedeihen in einem gesellschaftlichen Umfeld. Solche Taten sind nicht isoliert.“ Es habe sich nur eine Reihe von solchen Taten fortgesetzt: „NSU, Chemnitz, Hannibal, Lübcke, Halle, die Aufdeckung der rechten Terrorzelle, die Anschläge gegen Moscheen plante“, seien die Taten zuvor gewesen.

Die Teilnehmer*innen und Teilnehmer zogen nach der Kundgebung in der Windthorststraße schweigend zum Rathaus zur Abschlusskundgebung.

„Wir können nicht einfach dastehen und nichts tun“

In einem Redebeitrag am Rathaus macht die Antifaschistische Linke Münster deutlich: „Und wir fühlen uns hilflos und fragen uns, ob eine weitere Kundgebung das Leid in Worte fassen kann oder irgendetwas ändert. Aber wir können nicht einfach dastehen und nichts tun. Und so soll diese Kundgebung einen Raum schaffen für unsere Trauer und für unsere Wut, einen Raum zusammen zu kommen, uns auszutauschen, einander beizustehen und ein Zeichen der Solidarität zu senden.“

Die ALM verdeutlichte auch, in welchem Rahmen dieser Anschlag stattfindet: „Rechter Terror trifft nicht alle gleichermaßen. Er ist kein Angriff auf uns alle. Er richtet sich zu allererst gegen jene, die von den Rechten als minderwertig angesehen werden. Oftmals gegen jene, die auch von der Mehrheitsgesellschaft als „fremd“ oder „nicht-deutsch“ gelabelt werden. Um solche Taten zu verhindern, müssen wir als Gesellschaft die Ursachen für Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und andere Diskriminierungsformen angehen. Gemeinsam und beginnend bei uns selbst.“

Die Gedenkveranstaltung wurde mit einer Schweigeminute und stillem Trauern beendet. Viele Menschen legten danach Kerzen und Blumen auf die Treppen vor dem Eingang des Rathauses, um der Opfer zu gedenken.

Nach Angaben von „Kein Bock auf Nazis“ nahmen am Donnerstag bundesweit in über 60 Städten mehr als 40.000 Menschen an Gedenkveranstaltungen teil.

Jan Große Nobis

Ein Kommentar zum Attentat auch aus Münster:

Rechtsterror in Hanau: Wacht endlich auf!