Den Toten der Roten Armee: Blumen für Stukenbrock

Auf einer Fläche von 400 m x 1000 m wurde auf Befehl deutscher Wehrmachtsoffiziere schon im Mai 1941 – also noch vor dem Überfall auf die Sowjetunion – das Stalag 326 angelegt. Die ersten Kriegsgefangenen der Roten Armee – über 7000 – kamen am 7. Juli in den offenen Viehwaggons der Reichsbahn an. Im Text weiter hier!

Blumen für Stukenbrock 2017
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Bildinformationen: Blumen für Stukenbrock 2017|Auf dem Ehrenfriedhof Sowjetischer Kriegstoter begannen kurz nach dem Ende der Kämpfe Gefangene, einen Obelisken mit dem Sowjetstern als Denkmal zu bauen.
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Zum Leben zu wenig: 800 Kalorien mit Sägemehl pro Tag

Es gab auf dieser umzäunten Anlage zu dieser Zeit weder Unterkünfte noch sanitäre Einrichtungen. Die Unterkünfte mussten die Gefangenen selbst mit primitiven Werkzeugen errichten. Erdhöhlen gruben sich die Gefangenen als ersten Schutz. Die zugewiesene Nahrung war auf 700 bis 800 Kalorien pro Tag vorgesehen und bestand überwiegend aus Brot mit Sägemehlstücken und feuchten Kohlrüben.

Bis zum April 1945 waren über 300.000 Kriegsgefangene aus verschiedenen Ländern – vor allem aus der Sowjetunion in diesem Lager. Bei der Befreiung des Lagers durch die US-amerikanischen Truppen waren dort noch 10.000 völlig entkräftete Menschen. Zur Erinnerung an die Leiden ihrer Kameraden errichteten Überlebende des Lagers den Friedhof und den Obelisken. Der Obelisk erhielt auf seiner Spitze die Glasskulptur einer roten Fahne. Darum gab es in der Folgezeit fortwährende politische Auseinandersetzungen.

Geschichtsverfälschung durch CDU-Kommunalpolitiker

In den 1950er Jahren wurde auf Veranlassung der CDU-Kommunalpolitiker die rote Fahne durch ein orthodoxes Kreuz ersetzt. Die Initiative „Blumen für Stukenbrock“ , die seit 1967 regelmäßig zum Antikriegstag am ersten Septemberwochenende mit einer Veranstaltung auf dem Friedhof die Erinnerung an die Leiden wachhält und gegen die fortdauernde Kriegspolitik argumentiert, fordert seit Jahren vergeblich die Wiederherstellung des Obelisken in der ursprünglichen Form mit der roten Fahne. Inzwischen wurde der Obelisk unter Denkmalschutz gestellt. Dabei wird argumentiert, der Schutz bestehe nur in seiner aktuellen Form mit dem orthodoxen Kreuz. (20.06.2021, Jochen Vogler)

Weitere Informationen zum Lager siehe hier! 

Zum Obelisken hier!

Zur Konzeption der Gedenkstätte siehe hier!