Coordination gegen BAYER-Gefahren auf der HV der Bayer AG in Bonn

Über 20 Organisationen hatten zu Protesten vor der Hauptversammlung der Bayer-AG in Bonn am 26. April aufgerufen, organisiert von Coordination gegen BAYER-Gefahren, CBG. Weiter unten mehr!

Vorstandsvorsitzender Werner Baumann zur Hauptversammlung: “Wir haben sowohl operativ wie auch strategisch viel erreicht”. Das sehen nicht alle so. Heute wird abgerechnet, von Abreibung für Baumann spricht man oder vom Aufstand der Aktionäre. Die zahlreichen Demonstranten, unter anderem Fridays-For-Future, haben auf der Demonstration schon mal richtig eingeheizt. Am Rande war folgendes Gespräch mitzubekommen. Die Besucher der Bayer-HV mussten über einen Teppich toter Bienen in die Halle laufen, die Imker symbolisch verschüttet hatten. Daraufhin ein Polizeioberster: “Es gibt einige Besucher, die ekeln sich davor. Wir werden das beim nächsten Mal verbieten”. Vom Ekel, geschweige denn Verbot, dass Pestizide für Menschen lebenswichtige Bestäuber töten können, hat er nicht gesprochen.

Der Leverkusener Konzern hat sich offenbar mit der Übernahme des Monsanto-Konzerns für für 62,5 Milliarden Dollar übernommen. Bislang klagen etwa 14.000 Personen in den USA auf Entschädigung wegen Krebs, verursacht – und davon ist auszugehen -durch das Unkrautbekämpfungsmittel Roundup. Dieses Herbizidpräparat steht zudem im Verdacht, weitere schwerwiegende Erkrankungen und Mißbildungen zu verursachen, was seit Langem vor allem in Südamerika beobachtet wurde. Kürzlich erhielt ein Hausmeister in den USA 78 Millionen Dollar Entschädigung zugesprochen. Danach verlor Bayer 40 Prozent an Börsenwert – 30 Milliarden Euro.

Auf jeden Fall werden Beschäftigte den Schlamassel ausbaden müssen. Von bis zu 12.000 Entlassungen ist bereits die Rede. Die dürften dann zu Lasten des Staates ausfallen. Ohnehin hätte sich Bayer immer gern aus der Verantwortung gezogen, sagen die Leute von CGB. Bayer kämpft nun gegen tausende Klagen von Geschädigten, gegen Bio-Landwirte, Menschenrechtler, Umweltschützer, Fridays-For-Futur, Imker, Menschen, die Artenvielfalt oder Ärzte. Das ist viel Feind auf einmal, durch die keine Ehre entstehen kann. Auf Dauer aber Wertverluste.

Diverse Schädlingsbekämpfungsmittel des Konzerns stehen zudem im Verdacht, die für die Existenz menschlichen Lebens notwenigen Insekten und Bestäuber zu vernichten.

Eine Wertvernichtung und Rufschädigung, die die Wiederwahl Baumanns gefährden könnte. Die erwarteten Milliardenzahlungen könnte der Konzern wegstecken, wenn auch unter schwere Beschädigung des Ansehens. Hinzu kommen 36 Milliarden Verschuldung durch die Übernahme von Monsanto. Nicht das einzige Problem, das die Bewertung der Aktie in den Keller drückt – schon gehen Gerüchte um über feindliche Übernahmen und über eine Konzernaufspaltung.

Vielleicht hilft dem Bayerkonzern und insbesondere Herrn Baumann ein wenig Einsicht durch Friedrich Engels: “Und so werden wir bei jedem Schritt daran erinnert, daß wir keineswegs die Natur beherrschen, wie ein Eroberer ein fremdes Volk beherrscht, wie jemand, der außer der Natur steht – sondern daß wir mit Fleisch und Blut und Hirn ihr angehören und mitten in ihr stehn, und daß unsere ganze Herrschaft über sie darin besteht, im Vorzug vor allen anderen Geschöpfen ihre Gesetze erkennen und richtig anwenden können.” (MEW, Bd. 20, S. 444-445) (Hans-Dieter Hey, Fotos: Hans-Dieter Hey und Udo Slawiczek)

Ergänzung 27.04.2019: Medien sprechen von einem “historischen Ereignis”. Zum ersten Mal in der deutschen Geschichte wurde einem Konzernvorstand mit 55 Prozent das Vertrauen entzogen. Entlastet dagegen wurde der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Wenning. Der allerdings stellt sich schützend vor Baumann – und vor sich selbst.

Einstiegsansprachen zu in der Kritik stehenden Problemen mit Bayer/Monsanto:

Thomas Cropke zum biologischen Landbau

Alan Fygel (Brasilien) zu den gesundheitlichen Folgen

Annemarie Volling, Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirschafte (AbL)

Tim Koch zum Bienensterben

Marie Stelzmann, CGB

Sylvia Gabelmann, Partei Die.Linke

Paul Francoise (Frankreich) zur Diskussion in Frankreich

Mary Lion (England) zu Duogynon

Beate Kirk zu Duogynon