„Blutspur des preußisch-deutschen Militarismus“

Münster. Die Friedenskooperative Münster und die DFG-VK Münster haben am Antikriegstag eine öffentliche Fahrradtour zu den Kriegerdenkmalen an der Promenade in Münster durchgeführt. An verschiedenen Kriegerdenkmalen wurde kritisch auf deren Bedeutung für den deutschen Militarismus eingegangen.

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"Blutspur des preußisch-deutschen Militarismus"
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Bildinformationen: "Blutspur des preußisch-deutschen Militarismus"|Kritische Fahrradtour zu den Kriegerdenkmalen an der Promenade
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So ging Referent und Mitglied der Friedenskooperative Münster Hugo Elkemann zum Beispiel auf die Geschichte des sog. „Schinkendenkmals“ (es wird im Volksmund so genannt, weil dort so viele nackte soldatische Hinterteile abgebildet sind) ein. Das Denkmal wurde errichte im Andenken der deutschen Einigungskriege im 19. Jahrhundert. Dass dabei auch durch deutsche Truppen die Pariser Kommune niedergeschlagen wurde, bleibt dabei natürlich außen vor. Dabei war die Pariser Kommune die Wiege der Aufklärung und erste Versuche des säkularen parlamentarisch-demokratischen bürgerlichen Rechtsstaates.

Ebenso ging er auf das Dreizehner Denkmal ein, das die toten Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkriegs verherrlicht und in den 1950er Jahren mit dem Wehrmachtsspruch „Treue um Treue“ verziert wurde. Schon in den 1980er und 2000er Jahren gab es dort Proteste gegen die Beteiligung revanchistischer Gruppierung am Gedenken zum Volkstrauertag. Im Jahr 2015 protestierte die Friedenskooperative Münster erneut gegen die Durchführung des Volkstrauertages an dem Denkmal. Denn: Die Bundeswehr hatte damals endlich beschlossen, dass ein Gedenken unter dem Wehrmachtsspruch „Treue um Treue“ für die Truppe nicht mehr zeitgemäß sei. Damals ging es um Gedenkfeiern der Bundeswehr in Afghanistan. Im Jahr 2015 fand der Volkstrauertag noch einmal am Denkmal statt. 2016 wurde die Durchführung des Volkstrauertages in den Rathausinnenhof an den Platz des Westfälischen Friedens verlegt. Denn der beteiligten Bundeswehr könne ein Gedenken an dem Denkmal der Bundeswehr nicht mehr zugemutet werden, so der Ordnungsdezernent der Stadt Münster Wolfgang Heuer.

Neben weiteren Kriegerdenkmalen wurde aber auch die Paul-Wulf-Skulptur besucht. Paul Wulf war als Zwangssterilisierter Opfer des NS-Regimes und später ein „unermüdlicher antifaschistischer Aufklärer“.

Am Tag des offenen Denkmals am 13. September 2020 wird die Fahrradtour wiederholt. Treffpunkt ist 15:00 Uhr am Zwinger.

Bei MünsterTube in Arbeit ist eine Video-Dokumentation der zweiten Fahrradtour.