50 Jahre SSM Köln: Wort und Recht – Staat, Leib und Geld

In diesen Tagen feiert die “Sozialistische Selbsthilfe Mülheim” ihr 50jähriges Jubiläum. Erfahren im politischen Widerstand und in der Aktion wird in Ausstellung, Diskussionen und Filmbeiträgen die durchaus beachtenswerte Geschichte nachgezeichnet, die mit dem “Republikanischen Club” in den 1970er Jahren begann. Im Vordergrund der “SSM” stand die solidarische Hilfe gesellschaftlich ausgegrenzter Menschen, ausgebeuteter “Lehrlinge” oder ehemaliger Knastinsassen. Untrennbar mit der Entwicklung verbunden ist der primus inter pares Rainer Kippe. Unterstützt wird die Feier durch Exponate des Fotografen Gernot Huber, Plakate von Jochen Stankowski, Filmclips der Kölner Wochenschau oder die Filminitiative um Christian Maiwurm und den Kabarettisten Heirnich Pachl. Die Schau ist noch bis zum 6. Dezember 2019 zu sehen. Chapeau! und solidarische Glückwünsche! Ein Video folgt in Kürze. Weiter unten mehr! (19.11.2019, Hans-Dieter Hey)

SSM_Koeln_00207 Copyright: Sozialistische Selbsthilfe Köln, all rights reserved
Beschreibung: 50 Jahre Sozialistische Selbsthilfe Mülheim
Dateiname: SSM_Koeln_00207
EXIF Daten Brennweite 0 mm
Belichtungszeit 1/200 Sek.
Blende F 0
ISO 100
Kamera NEX-5N
IPTC Daten Bildunterschrift: 50 Jahre Sozialistische Selbsthilfe Köln
Datum:
Fotograf:
Ort: Koeln
Ortsteil:
Überschrift:
Stichworte: Hausbesetzung
Copyright: Sozialistische Selbsthilfe Köln, all rights reserved
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Aus dem Flyer:

Öffentlichkeit: Die Wörter

Rund 500 verschiedene Plakate hat die sozialistische Selbsthilfe im Laufe ihrer Geschichte geklebt, dazu zahlreiche Flugblätter, eine eigene „Wandzeitung“ herausgebracht, „Klüngelgeld“ am Rosenmontag geworfen oder Broschüren wie „Die Aussonderung der Entarteten“ publiziert. Neben der praktischen Tätigkeit waren Information und Agitation immer wesentliches Handlungsfeld. Der Gestalter der meisten Publikationen, der Grafiker und Drucker Jochen Stankowski, ist eingeladen.

Finanzierbarkeit: Das Geld

Die Geschichte von SSK/SSM ist auch eine Geschichte von Abhängigkeit bzw. Unabhängigkeit von öffentlichem Geld, vulgo „Staatsknete“. Fürs Leben reichte in der Regel, was durch die eigene Arbeit rein kam. Was aber, wenn Häuser erworben, LKW repariert oder Investitionen getätigt werden mußten? Hier sprang der Förderverein „Helft dem SSK“ bzw. „Mach Mit“ beim SSM ein. Agiler Inspirator war Rolf Stärk, dessen unkonventionelle Kenntnisse und Vorschläge um Sanierung und Finanzen selbst die städtische Verwaltung ins Schwitzen brachte.

Polizeiarbeit: Der Staat

Köln war in den 70/80er Jahren eine Hochburg der Hausbesetzung, in der Innenstadt, dem Belgischen Viertel, Ehrenfeld, Mülheim oder Porz. Überall wurden leerstehende Häuser instandbesetzt, viele vor dem Abriss gerettet, einige später legalisiert. Die Kölner Polizei, ihrer sogenannten „Kölner Linie“ folgend, verhielt sich anders als im Rest der Republik, eher zurückhaltend. Einer der Beteiligten auf Seiten des Staates, Gerd Diefenthaler, seinerzeit Dienstgruppenleiter Innenstadt der Polizei, später Ausbilder an der FHS und lange Jahre Vorsitzender der Jungen Gruppe in der „Gewerkschaft der Polizei“, war bei vielen Hausbesetzungen „dabei“. Er wird aus seiner Sicht im Gespräch berichten.

Strafbarkeit: Das Recht

Der Regelbruch war immer Teil der Praxis der sozialistischen Selbsthilfe. Entsprechend heftig waren die Versuche von Stadt und Politik, Landschaftsverband und Polizei, die Aktivisten mit Klagen ruhig zu stellen: Haus- oder Landfriedensbruch, Entführung, Beleidigung oder tätlicher Angriff, Amtsmißbrauch oder Geheimnisverrat, es gibt wenige Paragrafen im Strafgesetzbuch, die nicht zur Anwendung kamen, aber – es kam fast nie zu einer Verurteilung. Im Gegenteil, die Klagen und Verfahren wurden Teil der öffentlichen Auseinandersetzung. Einer der dabei eine entscheidende Rolle spielte war Rechtsanwalt Heinrich Comes.

Verletzbarkeit: Der Leib

Körperliche Unversehrtheit war für viele Menschen in Erziehungsheimen, Psychiatrischen Kliniken oder auf der Straße ein Traum. In der Realität waren sie einem System ausgeliefert, das sie eher krank machte. Das hat sich auch dank der Aktion von SSK/SSM zum Teil gebessert, psychiatrische Kliniken mußten geschlossen werden, es gab erste medizinische Hilfen auf der Straße, für Flüchtige wie Flüchtlinge sowie für Wohnungslose. Angefangen hat es mit einer „Ambulanz im SSK“, die sich vorrangig um Obdachlose, Illegale, Menschen ohne Krankenschein und Arme ohne Arzt kümmerte. Verschiedene Ärzte und Krankenschwestern waren beteiligt und initiiert war die Ambulanz von Dr. Peter Stankowski.

Institut für neue Arbeit,
Düsseldorfer Straße 74, Köln Mülheim
KVB Wiener Platz
Eintritt frei / Kostenbeitrag erbeten / Anmeldung erwünscht
bei: info@3k-koeln.de